22 Mannschaften haben bei den Landesjugendmeisterschaften der Jugendbootsklasse 420er am vergangenen Wochenende auf dem Steinhuder Meer um den Titel gekämpft. Sturmböen, zahlreiche Kenterungen, viel Schlamm und schwierige Bedingungen verlangten den Crews alles ab. Ausrichter war der Schaumburg-Lippische Seglerverein (SLSV), der zugleich Landesleistungszentrum Segeln des Segler-Verbandes Niedersachsen (SVN) ist. Bereits zwei Tage vor der Veranstaltung nutzten zehn Boote ein Trainingslager am Steinhuder Meer zur Vorbereitung auf die Titelkämpfe. Kräftiger Wind und zahlreiche Kenterungen machten die Wettfahrten besonders anspruchsvoll.
Wettfahrtleiter Heiner Forstmann nutzte die vorhandenen Windfenster und brachte trotz der schwierigen Wetterlage fünf Wettfahrten ins Ziel. Die Rennen am Samstag mussten zwischenzeitlich wegen einer starken Sturmphase unterbrochen werden. In der offenen Wertung des Goofy Cups setzten sich Felix Lauk und Benjamin Lauk vom Norddeutschen Regatta Verein durch. Die Niedersachsenmeisterschaft, an der nur Mannschaften unter 19 Jahren mit mindestens einem Crewmitglied aus Niedersachsen teilnehmen dürfen, ging gleich doppelt an den gastgebenden SLSV. Es gewannen Fenja Faulhaber / Emma Grimmer (SLSV) vor Elisa Reichel / Aella Hentschel (SLSV) und Michael Petersen / Niklas Merscher (Segelverein Speichersee Emsland).
Der SLSV setzt seit drei Jahren gezielt auf die Nachwuchsarbeit in der 420er-Klasse. Die Arbeit der Trainer George Blaskewitsch, Helene Wensel und Franzi Wensel macht sich inzwischen auch in den Ergebnissen bemerkbar. Noch in diesem Jahr nehmen zwei SLSV-Mannschaften an der EM-/WM-Ausscheidung in Schwerin teil und starten Anfang Oktober bei der Deutschen Meisterschaft in Kiel. Niels Hentschel, sportlicher Leiter des SLSV, zieht ein positives sportliches Fazit, sieht den Verein jedoch vor großen Herausforderungen. „Jugendarbeit ist unsere Hauptaufgabe. Jetzt zwei unserer Mannschaften auf dem Treppchen zu sehen, zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Aber leider kämpfen wir Ehrenamtlichen mit immer mehr Windmühlenflügeln, statt uns voll und ganz auf den Sport konzentrieren zu können“, sagt er.
Besonders der niedrige Wasserstand des Steinhuder Meeres und die zunehmende Verschlammung bereiteten dem Verein Sorgen. Nach Angaben des SLSV werde das Regattagebiet immer kleiner. Die Bootsklasse der Korsare habe bereits wegen des Tiefgangs abgesagt werden müssen. Hinzu kämen ein erheblicher Sanierungsbedarf an den Vereinsgebäuden sowie komplexe Förder- und Genehmigungsverfahren. Der 51-jährige Schiffbauingenieur richtet deshalb einen Appell an Politik und Verwaltung. Vereine benötigten Unterstützung bei Verwaltungsaufgaben und eine klare Perspektive zur Bekämpfung der Verschlammung, damit Segelsport und Jugendarbeit am Steinhuder Meer erhalten bleiben können.
Der Schaumburg-Lippische Seglerverein ist das Landesleistungszentrum Segeln des Segler-Verbandes Niedersachsen. Der Verein richtet Regatten auf Landes- und Bundesebene aus und legt einen Schwerpunkt auf die Ausbildung junger Segler in den Klassen Optimist, Laser, 420er und 470er. Wöchentliche Trainingsangebote und vereinseigene Boote stehen dafür zur Verfügung.