Die Stadt Wunstorf galt über viele Jahrzehnte als die Stadt der Nachtigallen in der Region Hannover. Entsprechende Berichte im Stadtspiegel vom Heimatverein Wunstorf e.V. bezeugen dies. Doch inzwischen scheinen die Saatkrähen die Nachtigallen in großem Umfang abgelöst zu haben, die eine zunehmende und hohe Belastung für die Anwohner sind. Mit einer weiterhin anwachsenden Krähenpopulation sieht sich Rainer Schreeck seit vier Jahren unmittelbar vor seinem Wohnhaus in der Gutenbergstraße konfrontiert. Damit verbunden sind die belastenden Begleiterscheinungen wie anhaltender Lärm, Kot auf Fahrzeugen, im Garten und an Hauswänden.
Weithin sichtbar ist die inzwischen auf rund 200 Nester angewachsene Population, in den Bäumen entlang der Bahntrasse, parallel zur Hochstraße. Die Zahl der Nester und somit der Krähen nimmt weiterhin zu. Die großen Vögel haben auch die gegenüberliegende Straßenseite entlang der Hochstraße als Nistbereich für sich entdeckt und Nester an der Grundstücksrückseite gebaut. Das Maß der Belästigung ist für die Anwohner unerträglich geworden. Zunächst unbemerkt, haben Saatkrähen einen weiteren großen Nistbereich für sich im Wohngebiet Barne, an der Matthias-Grünewald-Straße 4 und 6, für sich in Beschlag genommen und „genießen offenbar die weiten und großen Äste der Pappel“, sagt eine Anwohnerin. Rund 40 Nester sind dort besetzt.
„Das Krächzen der Tiere ist unerträglich. Seit zwei Jahren nisten diese Tiere in der großen Pappel im Grünbereich unseres Wohnhauses vom Bauverein. Sich zum Erholen auf den Balkon zu setzen, das ist nicht mehr drin. Bereits um 3.30 Uhr geht das Schreien der Tiere los, bis in den späten Abend“, schildert eine weitere Anwohnerin. Briefe der Anwohner, mit der Bitte um Hilfe, an den Bauverein und an die Stadt, hätten bisher zu keinem Ergebnis geführt, so die Verwunderung und vor allem Enttäuschung der Betroffenen im Mehrfamilienhaus. Auch Rainer Schreeck hatte sich wiederholt an Kommunalpolitiker, Ortsrat, Stadtverwaltung, Baubetriebshof und Naturschutz gewandt, doch von keiner Seite habe er Hilfe erfahren, teilte er dem Autor mit. Der Baubetriebshof habe ihn an das Ordnungsamt verwiesen, dass ihn wiederum an die Bahn verwies, da sich die Population vor seinem Haus auf Bäumen des Bahndamms befinde – und somit auf Bahneigentum.
Man hatte ihm hierbei als Möglichkeit die Entnahme der Nester nach der Brutzeit in Aussicht gestellt. Aber es ist nichts geschehen. Der Handlungsbedarf liegt weiterhin bei der Bahn, aber die rühre sich nicht. An der Matthias-Grünewald-Straße ist die Bahn nicht zuständig. Es ist städtisches Grundstück. Aber auch hier wurde sie bisher nicht aktiv, trotz vermehrter Bitten der Anwohner. Der besonders mit Nestern besetzte Baum könne auch nicht einfach gefällt werden, da er aufgrund seiner Größe unter den Bestandsschutz falle, sei eine Auskunft der Stadt gewesen. Auch das Einkürzen der Äste, um den Vögeln die Nistflächen zu nehmen, sei nicht möglich. Gleichzeitig wurde daraufhin hingewiesen, dass diese Vogelart nach dem Naturschutzgesetz geschützt ist.
Vermehrt leben Saatkrähen innerhalb von Städten. Ein Verscheuchen könne dazu führen, dass sich die gesamte Population einen neuen Brutbereich innerhalb der Stadt sucht. Das ist auch ohne ein bewusstes Verscheuchen offenbar bereits geschehen. Denn seit Anfang des Jahres wurden an der Kolenfelder Straße sowie im Barnewäldchen Krähen beim Nestbau beobachtet. Ob und wie den durch Lärm und Schmutz belästigten Anwohnern geholfen wird, steht völlig in den Sternen. Handlungsbedarf besteht auf jeden Fall.