Ortsbildprägende Bäume sollen in Wunstorf künftig besser geschützt werden. Die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat dazu einen Antrag eingebracht, der den Schutz besonders großer und alter Bäume im gesamten Stadtgebiet regeln soll. Hintergrund des Antrags sind bereits erfolgte sowie angekündigte Fällungen großer, alter Bäume im Stadtgebiet. Aus Sicht der Grünen, aber auch grundsätzlich aus Sicht einer Stadt, dürften solche Eingriffe künftig nicht mehr ohne vorherige Prüfung erfolgen. Ziel des Antrags ist es, klare und verbindliche Regeln für den Umgang mit ortsbildprägenden Bäumen zu schaffen.
Konkret fordert die Fraktion die Erarbeitung einer Verordnung. In einem Verzeichnis sollen Baumart, Stammumfang und genaue Lage dokumentiert werden. Der Schutz soll sich dabei nicht nur auf den Stamm beschränken, sondern auch den Bereich unter der Baumkrone umfassen. Zudem soll der Baumbestand im Stadtgebiet regelmäßig daraufhin überprüft werden, welche Gehölze eine besondere Bedeutung für das Ortsbild haben. Die Umsetzung vereinbarter Ersatzpflanzungen nach dem Wegfall von Bäumen soll zeitnah kontrolliert werden. In begründeten Ausnahmefällen sollen Abweichungen von den naturschutzrechtlichen Vorgaben möglich bleiben. Die Grünen verweisen darauf, dass die Stadtverwaltung bereits vor einigen Jahren eine Baumschutzsatzung angekündigt habe. Zu einer Beschlussfassung sei es bislang jedoch nicht gekommen. „Das Thema möchten wir jetzt mit unserem Antrag wieder aufgreifen und hoffentlich zu einem positiven Ende führen”, so Sprecherin Anne Dalig.
Zur Begründung führt die Fraktion an, dass alte, großkronige Bäume das Erscheinungsbild Wunstorfs maßgeblich prägen und zugleich eine wichtige Rolle für Klima, Luftqualität und Lebensqualität spielen. Gerade an Hauptstraßen, Plätzen oder Ortsrändern seien sie unverzichtbar. Sie spendeten Schatten, wirkten temperaturausgleichend und böten zahlreichen Tierarten wertvollen Lebensraum. Der geplante Schutz soll sowohl für Bäume auf Privatgrundstücken in ortsbildprägender Lage als auch für Bäume im öffentlichen Raum gelten. Eigentümer sollen bei Bedarf Beratung und Unterstützung erhalten.
Der Vorstoß trifft im Rathaus auf Zustimmung. Bürgermeister Carsten Piellusch sagte auf Nachfrage: „Ich begrüße das ausdrücklich.” Vor zwei Jahren hatte er bereits eine Baumschutzsatzung angekündigt (wir berichteten hier). Ein Entwurf der Verwaltung fand allerdings im Rahmen einer internen Abstimmungsrunde innerhalb der damaligen Koalition aus SPD und CDU keine Mehrheit. Die CDU war dagegen. Deshalb wurde das Vorhaben wieder zu den Akten gelegt. Nun könnte es andere Mehrheiten im Stadtrat geben. Inhaltlich weicht der Vorschlag der Grünen von dem ab, was damals ausgearbeitet worden war und orientiert sich mehr an der Luther Baumerhaltungssatzung. Der Bürgermeister weist darauf hin, dass die Erstellung und Pflege eines Katasters von ortsbildprägenden Bäumen wiederum mit personellem Aufwand verbunden wäre.