„Karussell dreht sich weiter“ | Wunstorfer-Stadtanzeiger

„Karussell dreht sich weiter“

Ein letztes Mal zum Gespräch im Büro: Helga Radtkes Dienstzeit ist zum 30. Juni ausgelaufen. (Foto: tau)
Ein letztes Mal zum Gespräch im Büro: Helga Radtkes Dienstzeit ist zum 30. Juni ausgelaufen. (Foto: tau)
Ein letztes Mal zum Gespräch im Büro: Helga Radtkes Dienstzeit ist zum 30. Juni ausgelaufen. (Foto: tau)
Ein letztes Mal zum Gespräch im Büro: Helga Radtkes Dienstzeit ist zum 30. Juni ausgelaufen. (Foto: tau)
Ein letztes Mal zum Gespräch im Büro: Helga Radtkes Dienstzeit ist zum 30. Juni ausgelaufen. (Foto: tau)

Die Otto-Hahn-Schule hat sich von ihrer langjährigen Schulleiterin Helga Radtke verabschiedet, die die Schule über 18 Jahre hinweg geprägt und weiterentwickelt hat. Mit ihrem Ausscheiden endet eine Ära, die von Engagement, Tatkraft und einem klaren Blick für die Bedürfnisse der Schüler getragen war. Als sie ihre Aufgabe übernahm, war die gemeinsame Haupt- und Realschule organisatorisch noch kaum zusammengewachsen. Zwei Sekretariate, getrennte Abläufe und Wege bestimmten den Alltag. Schritt für Schritt formte Radtke daraus eine funktionierende Einheit. Heute arbeitet ein Kollegium von rund 90 Mitarbeitern in klar strukturierten Teams zusammen. Regelmäßige Dienstbesprechungen sorgen für Transparenz. „Jeder weiß, was er zu tun hat“, sagt sie im Gespräch mit dem Stadtanzeiger stolz.

Schule als Ort des Wachstums

Radtke verstand Schule nie nur als Verwaltungsaufgabe, sondern als Lebensraum, in dem junge Menschen sich entwickeln. Dieser Anspruch zeigt sich in zahlreichen Projekten und Schwerpunkten: Schulwald, Schulgarten und vielfältige Nachhaltigkeitsprojekte machten die Schule zu einer „Umweltschule in Europa“. Gleichzeitig wurde die Berufsorientierung konsequent ausgebaut, mit jährlicher Berufsmesse und mehrfacher Auszeichnung als „Berufswahl- und ausbildungsfreundliche Schule”. Auch gesellschaftliche Themen griff die Schule unter ihrer Leitung auf. Projekte zur Friedensarbeit, zu Toleranz und Vielfalt gehörten ebenso zum Profil wie kulturelle Bildung. Kooperationen und Netzwerke trieben viele dieser Initiativen voran. Ein Bereich, in dem Radtke als unermüdliche Impulsgeberin galt.

Herausforderungen als Auftrag

Die Jahre brachten auch große Herausforderungen mit sich. Die Auflösung der Fröbelschule stellte die Otto-Hahn-Schule vor neue Aufgaben in der Inklusion. Mit einem Team aus Förderschullehrkräften und gezielter Unterstützung gelingt es, Schüler erfolgreich zu Abschlüssen zu führen, nach Klasse 9 wie auch nach Klasse 10. Besonders prägend war das Jahr 2015. Im Zuge der Flüchtlingsbewegung entstanden kurzfristig Sprachlernklassen. Vier dieser Klassen bestehen heute, insgesamt werden rund 125 Förderschüler betreut. „Wir haben dabei gewaltig gelernt“, sagt Radtke im Rückblick. Die Schule habe einen großen Teil der Integrationsarbeit in der Stadt getragen. Auch bauliche Einschränkungen durch den Sporthallenneubau verlangen Geduld und Organisationstalent.

Ein starkes Team

Bei ihrem Abschied richtet Radtke den Blick vor allem auf die Menschen, mit denen sie gearbeitet hat. Ihr Dank gilt dem gesamten Kollegium, von der Schulassistentin mit dem sprichwörtlichen Schraubenzieher in der Tasche über Hausmeister bis zu Lehrkräften, Pädagogen und Schulsozialarbeitern. Was sie besonders vermissen werde, seien die Schüler: „Die Lebendigkeit und die Neugier der Fünftklässler und ihre Entwicklung bis zum Abschluss. Das sind tolle Menschen.“ Mit dem Beginn des Ruhestands endet für Helga Radtke zwar ihre Zeit als Schulleiterin, doch Stillstand ist nicht vorgesehen. „Das Karussell dreht sich weiter – und ich steige aus“, beschreibt sie diesen Übergang selbst. Künftig möchte sie mehr Zeit mit Familie, Freunden und Enkeln verbringen. Gleichzeitig bleibt sie aktiv: Als Vorsitzende des Kunstvereins engagiert sie sich weiterhin kulturell. Am Sonntag, 5. Juli, ist Vernissage der Sommerausstellung in der Abtei. Auch ihre Qualifikationen als Resilienztrainerin und systemischer Coach will sie weiter einbringen.

Der Otto-Hahn-Schule wird sie verbunden bleiben. Spätestens zum 60-jährigen Schuljubiläum am 28. August wird sie als Gast zurückkehren. Was bleibt, sind sichtbare Spuren: in Strukturen, Projekten und vor allem in den Menschen, die ihren Weg an dieser Schule gegangen sind. Wer Radtke im Amt der Schulleiterin nachfolgt, ist noch nicht entschieden.


André Tautenhahn (tau)
André Tautenhahn (tau)
Freiberuflicher Journalist
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