Vertreter der MeerWärme Wunstorf GmbH, einem Gemeinschaftsunternehmen der Stadtwerke Wunstorf und von Avacon Natur, haben die Ergebnisse der ersten Phase ihrer Wärmenetz-Machbarkeitsstudie im Ortsrat Wunstorf vorgestellt. Anlass war ein Fragenkatalog der CDU, die insbesondere wissen wollte, wie realistisch ein Wärmenetz für die Innenstadt ist. Von dieser Frage hängen nach Auffassung der Christdemokraten auch weitere Entscheidungen zur derzeit umstrittenen Innenstadtsanierung ab. Eine zentrale Botschaft der Referenten lautete: Ein Wärmenetz müsse gegenüber der Wärmepumpe preislich attraktiv sein, bevor weitere Schritte in Richtung Umsetzung gegangen werden könnten. Zugleich machten die Projektverantwortlichen deutlich, dass der Aufbau eines wirtschaftlich tragfähigen Wärmenetzes ohne staatliche Förderung „extrem schwierig“ sei.
Die Machbarkeitsstudie kommt zu dem Ergebnis, dass entsprechende Netze in den untersuchten Gebieten grundsätzlich technisch und wirtschaftlich möglich erscheinen. Eine Entscheidung über Bau und Investitionen ist damit jedoch noch nicht verbunden. Die Projektpartner betonen, dass zunächst weitere Planungs- und Prüfungsphasen erforderlich sind. Die erste Leistungsphase der Untersuchung liegt inzwischen weitgehend vor. Die Bewertung der Tiefengeothermie steht allerdings noch aus. Derzeit werden weitere Analysen zu Wärmequellen, Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit vorgenommen. Zudem sollen Abstimmungen mit wichtigen Großabnehmern, sogenannten Ankerkunden, erfolgen. Dazu zählen unter anderem das KRH Klinikum, der Wunstorfer Bauverein und die Stadt Wunstorf.
Ursprünglich sollte die erste Leistungsphase bereits im Frühjahr abgeschlossen werden. Tatsächlich wurde sie aber erst im Mai 2026 fertiggestellt. Anschließend folgten weitere Bewertungen und Abstimmungen zur möglichen Umsetzung. Die Ergebnisse sollen nun im dritten Quartal 2026 vorgestellt werden. Als Gründe für die Verzögerung werden ein Förderverfahren genannt, das rund neun Monate länger dauerte als erwartet, sowie zusätzliche Untersuchungen zu Wärmequellen, Netzvarianten und möglichen Ankerkunden. Die Beteiligten begründen die Verlängerung mit dem Ziel, belastbare Ergebnisse vorzulegen.
Untersucht werden insbesondere die Innenstadt, die Oststadt und die Barne. Darüber hinaus werden verschiedene Netzvarianten, Anschlussquoten sowie mögliche Erweiterungen und Verbundlösungen analysiert. Jedes Teilgebiet bringe eigene Herausforderungen mit, etwa durch bestehende Infrastruktur wie eine Bahnlinie. Für die Bewertung spielen technische und wirtschaftliche Faktoren eine Rolle. Dazu gehören unter anderem Wärmebedarf, Anschlussdichte, Netzstruktur und Versorgungssicherheit. Auf wirtschaftlicher Seite werden Investitions- und Betriebskosten, Fördermöglichkeiten und die Auswirkungen auf den späteren Wärmepreis betrachtet. Ankerkunden gelten als wichtiger Faktor für die Wirtschaftlichkeit eines Netzes.
Wir wollen keine Luftschlösser bauen. Erst wenn die Planungen belastbar und konkret sind, werden wir proaktiv auf die Öffentlichkeit zugehen.
Die Studie betrachtet verschiedene Energiequellen für mögliche Wärmenetze. Dazu zählen Geothermie, Flusswasserwärme, Abwasserwärme, Luft-Wärmepumpen sowie Biomethan zur Abdeckung von Spitzenlasten. Für den Übergang werde auch Erdgas weiter eine Rolle spielen. Bereits ausgeschlossen ist die Kläranlage als Wärmequelle. Die Abwasserwärme zu nutzen, sei zu teuer. Für die notwendigen Erzeugungsanlagen wurden bereits potenzielle Standorte innerhalb oder in der Nähe der untersuchten Quartiere identifiziert. Als aussichtsreich gelten insbesondere Freiflächen, bestehende technische Standorte sowie Bereiche mit möglicher Nutzung von Flusswärme oder Geothermie. Für Flusswärme werden unter anderem Flächen am Nordwall und im Bereich „In den Ellern“ betrachtet. Eine endgültige Standortentscheidung gibt es noch nicht.
Bevor über eine Umsetzung entschieden werden kann, müssen weitere Wärmequellen bewertet, Gespräche mit Ankerkunden geführt und die Leistungsphasen zwei bis vier abgeschlossen werden. Hinzu kommen Förderanträge, Genehmigungen und vertragliche Regelungen für die Nutzung öffentlicher Wege. Eine öffentliche Informationsveranstaltung ist vorgesehen, ein Termin steht jedoch noch nicht fest. Nach Einschätzung der MeerWärme Wunstorf GmbH könnten erste Netzabschnitte grundsätzlich ab 2028 umgesetzt werden. Zuvor sind politische Entscheidungen zu möglichen Netzgebieten, Wärmequellen und weiteren Rahmenbedingungen erforderlich. „Wir wollen keine Luftschlösser bauen. Erst wenn die Planungen belastbar und konkret sind, werden wir proaktiv auf die Öffentlichkeit zugehen“, so der Geschäftsführer des Unternehmens, Viktor Rosenfeld.