S-Bahn-Chaos in der Region | Wunstorfer-Stadtanzeiger

S-Bahn-Chaos in der Region

Sind für den S-Bahnbetrieb in der Region zuständig: Züge des Unternehmens Transdev. (Foto: Transdev)
Sind für den S-Bahnbetrieb in der Region zuständig: Züge des Unternehmens Transdev. (Foto: Transdev)
Sind für den S-Bahnbetrieb in der Region zuständig: Züge des Unternehmens Transdev. (Foto: Transdev)
Sind für den S-Bahnbetrieb in der Region zuständig: Züge des Unternehmens Transdev. (Foto: Transdev)
Sind für den S-Bahnbetrieb in der Region zuständig: Züge des Unternehmens Transdev. (Foto: Transdev)

Wochenlange Ausfälle bei der S-Bahn Hannover sorgen für massive Kritik. Politiker fordern von Betreiber Transdev verlässlichen Betrieb, besseren Ersatzverkehr und langfristige Reformen. Das Unternehmen hat auf den öffentlichen Druck inzwischen reagiert.

Die massiven Ausfälle im S-Bahn-Netz der Region Hannover sorgen für heftige Kritik aus allen politischen Lagern. Der Betreiber Transdev hatte angekündigt, die Linie S4 bis Anfang Februar komplett einzustellen, die Linien S21 und S51 sogar bis Ende März. Als Gründe nennt das Unternehmen witterungsbedingte Schäden, technische Defekte und Engpässe in den Werkstätten. Für tausende Fahrgäste bedeutet das: längere Wege, unzuverlässige Anschlüsse und ein erheblicher Verlust an Planungssicherheit.

Die CDU-Regionsfraktion reagiert empört auf die wochenlangen Ausfälle. „Dass gleich eine komplette Linie über Wochen ausfällt, ist nicht hinnehmbar“, erklärt Jessica Borgas aus der Wedemark. Seit der Übernahme des Betriebs durch Transdev im Jahr 2022 habe die Zuverlässigkeit spürbar nachgelassen. Die CDU fordert eine deutliche Verbesserung des Schienenersatzverkehrs und eine höhere Taktung, um die Bedeutung der Strecke zu berücksichtigen.

Auch die SPD kritisiert die Situation scharf. Eva Bender, Kandidatin für das Amt der Regionspräsidentin, spricht von einem „Schlag ins Gesicht für tausende Fahrgäste.“ Sie fordert ein fahrgastorientiertes Krisenmanagement mit leistungsfähigem Ersatzverkehr, transparenter Information und verstärkter Betreuung an Umsteigepunkten. Langfristig müsse Transdev die Werkstattkapazitäten ausbauen, die Ersatzteilversorgung sichern und eine unabhängige Analyse der Ursachen vornehmen.

Die Grünen sehen die Verkehrswende in Gefahr. „Die kurzfristig angekündigten Ausfälle ganzer Linien sind für viele Menschen eine enorme Belastung“, betont Eike Lengemann, schienenpolitischer Sprecher der Grünen. Schnee und Frost seien keine Überraschung, sondern vorhersehbar. Deshalb müsse Transdev Fahrzeuge, Wartung und Werkstattkapazitäten so aufstellen, dass der Betrieb auch unter schwierigen Bedingungen funktioniert.

Die Linke wirft Transdev „systemisches Versagen“ vor. „Technische Defekte, fehlende Züge, Ersatzteilmangel und eine völlig unzureichende Fahrgastinformation zeigen, dass Transdev seiner Verantwortung nicht gerecht wird“, kritisiert Felix Mönkemeyer, Regionsabgeordneter der Linken. Der Kreisverband fordert, die Vergabepraxis zu überprüfen und mittelfristig den S-Bahn-Betrieb in öffentliche Hand zurückzuführen.

Transdev reagiert auf öffentlichen Druck

Das Unternehmen hat inzwischen reagiert und will ab dem 15. Januar mit kurzfristig angemieteten Ersatzfahrzeugen die S-Bahnlinie S4 bedienen. „Ab dem 15. Januar wird die TRI Train Rental GmbH (TRI) im Auftrag der S-Bahn Hannover Leistungen auf der Linie S4 erbringen”, heißt es in einer Pressemitteilung. Zwischen dem 15. und 18. Januar fährt die S4 dann wieder stündlich zwischen Bennemühlen und Hannover Hbf sowie umgekehrt. Zu den Hauptverkehrszeiten morgens und nachmittags soll es zudem einen zusätzlichen Schienenersatzverkehr (SEV) geben.

Zwischen dem 19. Januar und 1. Februar soll die S4 dann wieder nach Regelfahrplan im 30-Minuten-Takt zwischen Bennemühlen und Hannover Hbf fahren. In dieser Zeit kommen modernisierte n-Wagen sowie moderne barrierefreie Doppelstockwagen zum Einsatz. In Hannover besteht dann Anschluss an die S4 von und nach Hildesheim.

Die Region Hannover begrüßt, dass die Transdev Hannover nun doch kurzfristig Abhilfe für den Betrieb schaffen konnte. „Es ist erst einmal gut, dass wir überhaupt wieder eine Verbindung der S4 hinbekommen konnten. Wir haben gegenüber der Transdev deutlich gemacht, dass wir die komplette Einstellung der Verkehre nicht akzeptieren”, so Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz. Der Region war wichtig, dass es für die Wedemark und Kaltenweide möglichst schnell wieder ein Angebot auf der Schiene gibt. „Ein Schienenersatzverkehr mit Bussen ist keine wirkliche Alternative”, so Franz. Es brauche vor allen Dingen Zuverlässigkeit bei der Fahrzeugverfügbarkeit der S-Bahn.


André Tautenhahn (tau)
André Tautenhahn (tau)
Freiberuflicher Journalist
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