Zeitdruck oder Sorgfalt? | Wunstorfer-Stadtanzeiger

Zeitdruck oder Sorgfalt?

Flächen mit Potenzial: Das Gewerbegebiet Wunstorf-Süd.  (Foto: Stadt Wunstorf)
Flächen mit Potenzial: Das Gewerbegebiet Wunstorf-Süd. (Foto: Stadt Wunstorf)
Flächen mit Potenzial: Das Gewerbegebiet Wunstorf-Süd. (Foto: Stadt Wunstorf)
Flächen mit Potenzial: Das Gewerbegebiet Wunstorf-Süd. (Foto: Stadt Wunstorf)
Flächen mit Potenzial: Das Gewerbegebiet Wunstorf-Süd. (Foto: Stadt Wunstorf)

Die Weiterentwicklung des geplanten Trimodalstandortes im Gewerbegebiet Wunstorf-Süd beschäftigt weiter die Politik. Im Bauausschuss ist am 23. April über eine alternative Gleisplanung diskutiert worden, ohne dass eine abschließende Entscheidung gefallen ist. Hintergrund ist die ablehnende Haltung der Ortsräte Luthe und Kolenfeld, die sich bereits im Vorfeld gegen eine Weiterentwicklung des Projekts positioniert hatten. Auf Antrag der CDU-Fraktion wurde der Tagesordnungspunkt im Ausschuss daher lediglich als beratend angesehen. Das Gremium gab also kein Votum ab. Dem folgte auch der Verwaltungsausschuss am Montag, 27. April, und vertagte eine Entscheidung, obwohl die Stadtverwaltung auf einen bestehenden Zeitdruck hingewiesen hatte.

Die Vorsitzende der CDU-Fraktion, Christiane Schweer, bezeichnete die alternative Gleisplanung gegenüber dem Stadtanzeiger grundsätzlich als vernünftig. Gleichzeitig betonte sie, dass die Bedenken der Ortsräte ernst genommen werden müssten. Es sei wichtig, alle Beteiligten im weiteren Verfahren mitzunehmen. Dazu zählte Schweer neben den Ortsräten auch die Entwicklungsgesellschaft für das Gewerbegebiet (EGW), betroffene Landwirte sowie Umweltverbände. Den von der Verwaltung angeführten Zeitdruck sehe sie nicht. „Wir sollten nichts überstürzen und keinen Fehler machen“, so Schweer, die somit vor einem Schnellschuss warnt.

Unmittelbar nach der Ausschusssitzung versandte die SPD-Ratsfraktion eine Pressemitteilung, in der sie die Weiterentwicklung des Trimodalstandortes ausdrücklich unterstützt. Darin ist von einer „strategischen Weichenstellung” die Rede. Fraktionsvorsitzender Martin Ehlerding spricht von einer großen Zukunftschance für Wunstorf. Ziel sei es, sich strategische Optionen für einen späteren Bahnanschluss zu sichern. Ein trimodaler Standort könne Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagern, zum Klimaschutz beitragen und die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt stärken. „Dieses Projekt bedeutet ganz konkret: weniger Lkw auf unseren Straßen, weniger Lärm vor der Haustür und mehr Klimaschutz für Wunstorf”, so Ehlerding. Ein trimodaler Standort sei demnach ein echtes Alleinstellungsmerkmal für Wunstorf. „Er kann Unternehmen anziehen, Arbeitsplätze schaffen und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor werden“, betont Ehlerding.

Flächen mit Potenzial: Das Gewerbegebiet Wunstorf-Süd.  (Foto: Stadt Wunstorf)
Flächen mit Potenzial: Das Gewerbegebiet Wunstorf-Süd.  (Foto: Stadt Wunstorf)

Bessere Anbindung per Bahn

Die Stadt treibt die Weiterentwicklung des geplanten trimodalen Logistikstandortes im Gewerbegebiet Wunstorf-Süd voran. Eine neue Gleisführung eröffnet bessere Anbindungen aus beiden Richtungen und soll in das städtebauliche Gesamtkonzept eingearbeitet werden.

Auch die Grünen äußerten sich am Montag auf Nachfrage zum Thema. Sprecherin Anne Dalig erklärte, dass man sich in der Fraktionssitzung intensiv mit der Vorlage befasst habe. Die Grünen stehen dem Ziel, Güterverkehr stärker auf die Schiene zu verlagern, grundsätzlich positiv gegenüber. Gleichzeitig sei man sich der möglichen Eingriffe in Natur und Umwelt bewusst. Sollten Planungen weiterverfolgt werden, müssten frühzeitig Ausgleichsmaßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt und Biodiversität getroffen werden. Die Sorgen der Ortsräte Luthe und Kolenfeld seien nachvollziehbar, dennoch sehe man auch die Vorteile eines möglichen Bahnanschlusses. „Ob es dazu kommt, ist derzeit weder in Planung noch sind Planungen dazu bekannt. Es sollen lediglich die Weichen in Richtung Zukunft gestellt werden”, so Dalig. Grund zur Eile gebe es auch aus Sicht der Grünen nicht, da der Stadtrat laut Beratungsfolge erst am 20. Mai entscheiden soll.

Die Ortsräte Luthe und Kolenfeld hatten die Vorlage abgelehnt. Die Luther führten als Gründe unter anderem die finanziellen Rahmenbedingungen und den Umfang des Vorhabens an. Kritisiert werden zu hohe Kosten, eine unklare Finanzierung und ein zu großer Flächenverbrauch. Der Ortsrat Kolenfeld sorgt sich dagegen vor allem vor einer Zunahme des Verkehrs auf der Straße und Knotenpunkten, die bislang nur unzureichend gesichert seien. Da geht es vor allem um die Kreuzung Wunstorfer Straße/L392 vor der Kanalbrücke. Seit Jahren fordert der Ortsrat hier Verbesserungen, um das Abbiegen zu erleichtern und vor allem sicherer zu machen.

Gewerbegebiet Wunstorf-Süd: Trassenskizze für eine alternative Gütergleis-Anbindung. (Foto: Stadt Wunstorf)

Debatte lebt wieder auf

Die Ortsräte Luthe und Kolenfeld haben sich gegen eine Weiterentwicklung des geplanten Trimodalstandortes ausgesprochen. Die CDU Luthe begründet ihre ablehnende Haltung unter anderem mit hohen Kosten und unklarer Finanzierung. Ortsbürgermeister Rolf Hoch (SPD) spricht von einer fahrlässigen Entscheidung.

André Tautenhahn (tau)
André Tautenhahn (tau)
Freiberuflicher Journalist
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