Im vergangenen Oktober hat der Verein zum Erhalt des Steinhuder Meeres eine öffentliche Veranstaltung zur aktuellen Situation am Steinhuder Meer durchgeführt. Grundtenor war, dass mehr Schlamm entnommen werden muss. Tiefenmessungen des VESM zu Beginn des Jahres haben dann die Verschlammung des Meeres an vielen Stellen bestätigt. Und da gerade Wahlkampf ist, hat es der Schlamm in den Charts der Wahlkampfthemen auf einen parteiübergreifenden Spitzenplatz geschafft. Eine Bestandsaufnahme.
Parteiübergreifend sieht man Handlungsbedarf. Die Schuldigen waren schnell gefunden: Untere Naturschutzbehörde, Region Hannover, Land Niedersachsen. So machte Martin Ehlerding (SPD) deutlich, dass es eine Regionspräsidentin geben muss, die es auch will. Eva Bender (SPD) kam dann auch als Kandidatin für das Amt der Regionspräsidentin nach Steinhude. Mit dabei hatte sie den Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion Stefan Politze. Vor Ort machte sie deutlich, dass sie mit der Problematik durchaus vertraut ist. Bei den Finals warf sie das Wort „Verhältnismäßigkeit“ in die Diskussion. Gleich von Bürgermeister Carsten Piellusch (SPD) aufgegriffen, regte er an, einmal darüber nachdenken, ob es eine Möglichkeit zur Lagerung des Schlammes in einem Teilbereich des Toten Moores gibt. Und damit kommt man zu den Schutzgebieten. Da es sich um Natura 2000 Gebiete handelt, hat die EU ein Wort mitzureden. Folglich hat die CDU den Europaabgeordneten David McAllister (CDU) eingeladen. Er kam mit der Nachricht, dass die EU gerade die Wasserrahmenrichtlinie überprüft. Da könnte die Entschlammung der Deipen zum Modellprojekt werden. Im Rahmen einer Bootstour stellte Oliver Junk, CDU-Kandidat für das Amt des Regionspräsidenten, sogleich fest, dass politisch alles klar sein müsste.
Lösen wollen alle das Problem. Die SPD will eine Konferenz mit allen Beteiligten einberufen und das Thema bei Melanie Walter, Ministerin für Europa und Regionale Entwicklung, ansiedeln. Ortsbürgermeisterin Christiane Schweer (CDU) hat die Untere Naturschutzbehörde als größte Bremse ausgemacht. Junk lässt sich vieles erklären und stellt fest, dass auch der Regionspräsident alle an einen Tisch bringen kann. Dabei erinnert er als ehemaliger Oberbürgermeister von Goslar daran, dass im Harz schon Gebiete aus dem Naturschutz genommen wurden, um eine zweite Sommerrodelbahn zu bauen. Die FDP in der Regionsversammlung wartet die Wahl nicht ab und hat bereits einen Antrag zum Ankauf von abgetorften Flächen im Toten Moor zwecks Schlammlagerung gestellt. Bei allem Wahlkampfgeplänkel wird entscheidend sein, wer nach der Wahl das Thema „Schlamm“ noch immer auf seiner Prioritätenliste hat. Auf jeden Fall der VESM, der für den 28. Oktober eine öffentliche Veranstaltung in den Strandterrassen zu den Ergebnissen der Tiefenmessungen plant.