Bereits 1974 war Steinhude ein staatlich anerkannter Erholungsort. Und so plante man neue Einrichtungen, ein Hotel, eine Badeinsel, Saison verlängernde Angebote und sehnte sich gleichzeitig nach einem Verkehrskonzept. Ein Blick in die damalige Berichterstattung in der „Leine Zeitung“ und die Gemeindeunterlagen gleicht in vielen Bereichen einem Déja vu. Im dritten Teil geht es um Widerstand und Planung zur Badeinsel.
In den 1950er Jahren debattierte der Steinhuder Gemeinderat nicht nur über eine Verlängerung der Strandpromenade sondern auch über die Aufschüttung einer Badeinsel. Damals endete die Strandpromenade am Ratskeller und sollte Richtung Hafen verlängert werden. Im weiteren Verlauf des Ufers sollte die Badeinsel aufgeschüttet werden. Die Segelvereine entlang des Meeresufers reagieretn äußerst kritisch auf diese Vorhaben und wandten sich schriftlich an die Fürstliche Hofkammer in Bückeburg als Miteigentümer des Steinhuder Meeres. Die entsprechende Korrespondenz ist im Stadtarchiv erhalten.
Bei Durchsicht der Unterlagen begegnet einem ein bis heute aktuellen Problem: Schlamm. So wurde bereits in den 1950er Jahren fleißig Schlamm aus den Bereichen zwischen Promenade und Meeresufer entnommen. Die entnommenen Mengen wurden nicht etwa in einem Polder gelagert. Sie wurden einfach ins Meer zurückgespült. Dabei war der Schlamm genauso belastet wie das Meer. So jedenfalls die Auffassung der Segelvereine, die darauf hinwiesen, dass Steinhude keine Kläranlage hatte. Alles würde ungeklärt ins Meer fließen, auch von den Grundstücken der Segelvereine. Daher stufte der Schaumburg-Lippische Segelverein in seinem Schreiben vom 11. Mai 1957 eine Realisierung der Badeinsel als unverantwortlich ein. Dabei wird sehr detailliert ausgeführt, dass das Meer im Bereich der geplanten Badeinsel so verunreinigt ist, dass sämtliche hygienischen Voraussetzungen für den Betrieb eines Badebetriebes fehlen.
Des Weiteren ist von Reduzierung des Wertes der betroffenen Seegrundstücke die Rede. Außerdem geht man davon aus, dass die Verlängerung der Promenade plus Aufschüttung der Badeinsel zu einer weiteren Verschlammung des Meeres führen würde. Gleichzeitig regt man ein Gutachten des Institutes für Strömungswirtschaft an, um genau diesen Zusammenhang prüfen zu lassen. Leider gibt es in der Akte keinen Hinweis darauf, ob das Gutachten jemals erstellt wurde. Allerdings befinden sich in der Akte Rechnungen zur Entschlammung des Meeres. Unterstützung erhält der Schaumburg-Lippische Segelverein vom Hannover Yacht-Club e.V. Sie weisen ebenfalls daraufhin, dass es Verschlammungen seit dem Bau des ersten Abschnittes der Promenade gibt. Probleme, die bei einer Verlängerung samt Badeinsel zunehmen würden. Auch sie sprechen die fehlende Kanalisation in Steinhude an und gehen davon aus, dass das Wirtschaftsamt in Hannover die Pläne für eine Badeinsel ohnehin stoppen wird.
In den 1960er Jahren beginnen dann in Steinhude tatsächlich die Planungen zum Bau einer Badeinsel. Zum 1.Januar 1963 wird der Kommunalverband Großraum Hannover gegründet, der neben dem Ministerium für Wirtschaft und öffentliche Arbeiten und dem Niedersächsischen Innenministerium Geld zur Realisierung des Vorhabens gibt. Angesichts dieser Konstellation stellt sich nach Fertigstellung 1975 die Frage, wem die Badeinsel eigentlich gehört.
1973 beginnen die Aufschüttungen für die Badeinsel. So entsteht zunächst eine Sandinsel, deren Größe der Großraumverband mit 46.000 Quadratmetern angibt. Erreichbar soll die Insel über eine Fußgängerbrücke sein. „Damit wurden die ersten Badeplätze – bisher nur von Bootsbesitzern zu erreichen – für die Öffentlichkeit erschlossen“, so der Großraum in der von ihm herausgegebenen Broschüre „Badeinsel Steinhude“. Nach Fertigstellung der Sandinsel gibt der Verbandsausschuss des Großraums Hannover grünes Licht für die Errichtung eines Freibades und Luftbades auf der Insel. Damit begannen die Diskussionen zur Nutzung, zum Angebot, zur Ausgestaltung und zur Höhe möglicher Eintrittsgelder, wie man sie bis heute kennt.