Vielfalt statt Ausgrenzung | Wunstorfer-Stadtanzeiger

Vielfalt statt Ausgrenzung

Haben bunte Gedenksteine an den Stolpersteinen niedergelegt: Schülerinnen und Schüler der Paul-Moor-Schule. (Foto: wb)
Haben bunte Gedenksteine an den Stolpersteinen niedergelegt: Schülerinnen und Schüler der Paul-Moor-Schule. (Foto: wb)
Haben bunte Gedenksteine an den Stolpersteinen niedergelegt: Schülerinnen und Schüler der Paul-Moor-Schule. (Foto: wb)
Haben bunte Gedenksteine an den Stolpersteinen niedergelegt: Schülerinnen und Schüler der Paul-Moor-Schule. (Foto: wb)
Haben bunte Gedenksteine an den Stolpersteinen niedergelegt: Schülerinnen und Schüler der Paul-Moor-Schule. (Foto: wb)

Zum ersten Mal nimmt die Paul-Moor-Schule an einem Projekt teil, das im Rahmen des EU-Programms Erasmus+ gefördert wird. Dabei handelt es sich um das Kurzzeitprojekt „Gemeinsam gegen Ausgrenzung – Vielfalt leben und verstehen: Lernen mit Anne Frank“. Ein ganz besonderes Thema für die Schülerinnen und Schüler der Förderschule, die sich sowohl vor Ort als auch in Amsterdam damit auseinandersetzen.

Annäherung

Die Paul-Moor-Schule ist eine Förderschule für Schülerinnen und Schüler, die sonderpädagogische Unterstützung im Bereich der geistigen Entwicklung benötigen. Wie kann man ihnen die Zeit des Nationalsozialismus erklären? Mit ganz viel Kreativität und über eine ganz persönlich emotionale Ebene, wie die beiden Lehrkräfte Nicole Kassen und Jonte Wittkugel bei einem Treffen an der Stadtkirche berichten. Sie kommen da gerade von einem Rundgang zu den Stolpersteinen in der Kernstadt zurück. Denn zur Vorbereitung auf die Reise nach Amsterdam gehören auch drei Projekttage vor Ort. Am ersten Tag haben sich die insgesamt 17 teilnehmenden Schülerinnen und Schüler in den Räumen des Hölty-Gymnasiums mit dem Leben und der Geschichte Anne Franks beschäftigt. Außerdem haben sie Gedenksteine erstellt, die sie beim Rundgang am zweiten Tag auf den Stolpersteinen platziert haben. Diese Aktion ist ein Beispiel dafür, wie sich die Schülerinnen und Schüler handlungsorientiert, individuell und kreativ mit diesem Thema auseinandersetzen. Auch persönliche Betroffenheit spielt dabei eine große Rolle. So entdeckt die Gruppe beim Besuch des Stolpersteins für Ernst und Ludwig Lazarus, dass die Brüder in ihrem Alter waren, als sie ins Warschauer Ghetto deportiert wurden. Dabei sind sie sich auch bewusst, dass sie in der Zeit des Nationalsozialismus unerwünscht und ermordet worden wären, so Kassen und Wittkugel übereinstimmend. Dabei weisen sie auch darauf hin, dass gerade ihre Schülergruppe leicht zu beeinflussen ist und somit ganz leicht Opfer von Fake News werden kann. Um so wichtiger ist die Auseinandersetzung mit der Gegenwart und der Vergangenheit.

Austausch

In Amsterdam treffen die 17 Schülerinnen und Schüler samt ihren fünf Begleitpersonen dann auch Schülerinnen und Schüler der Xplore Agora. Dabei handelt es sich um eine freie Schule, die man mit einer hiesigen Gesamtschule vergleichen könnte. Für die engagierten Lehrkräfte, zu denen auch Anne Seffers gehört, war es gar nicht so einfach eine Partnerschule im europäischen Ausland für dieses Projekt zu finden, berichtet Kassen. Xplore Agora war die einzige, die zusagte. Entsprechend dankbar sind alle Beteiligten den dortigen Kolleginnen und Kollegen. Für den Aufenthalt in Amsterdam haben die Lehrkräfte ein spezielles Tagebuch entwickelt, das alle Schülerinnen und Schüler während der Fahrt führen müssen. So können sie wie Anne Frank die Tage Revue passieren lassen. Das muss nicht immer in geschriebenen Worten geschehen. Es können auch Piktogramme genutzt werden, erläutert Kassen. Zum Programm in Amsterdam gehört natürlich auch ein Besuch des Anne Frank Hauses. Schon jetzt ist allen die Vorfreude und die Aufregung auf das, was vor ihnen liegt, anzumerken.


Verena Walter-Bockhorn (wb)
Verena Walter-Bockhorn (wb)
Freie Journalistin
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