Lediglich ein Tagesordnungspunkt auf der Sitzung des Stadthäger Rates bedurfte während der vergangenen Sitzung einiger Diskussionen. Mehr als ein Dutzend Abstimmungsfälle konnten aufgrund der guten Vorabinformationen zügig abgearbeitet werden – nahezu alle einstimmig. Kontrovers diskutiert wurde Punkt 12 der Tagesordnung mit dem sperrigen Titel: “Umbenennung eines Teilbereiches der Rathauspassage zum Clara-Asch-Platz als Ausgangspunkt für die partizipative Entwicklung eines Ortes der Erinnerung, des Gedenkens und der Mahnung an die Verfolgung Stadthäger Jüdinnen und Juden während der nationalsozialistischen Herrschaft.“

Memory-Walk als Ideenfunke

Thomas Pawlik (SPD) erinnerte zum Beginn der Aussprache daran, dass die Idee für einen Erinnerungsort im Zusammenhang mit einem „Memory-Walk“ am 26. Januar 2024 entstanden war. Dabei waren alle Stadthäger „Stolpersteine“ (Messingsteine zur Erinnerung an Opfer des Nazi-Regimes, Red.) abgegangen worden. Der zur Erinnerung von Clara Asch liegt gleich zu Beginn des Walks, in der Niedernstraße. Die Verbindung der 1942 im Konzentrationslager Auschwitz ermordeten Clara Asch und des namengebenden Ortes, ist auf ein weltweit beachtetes Foto der Jüdin zurückzuführen. Dieses zeigt Asch mit zwei Koffern am Zugang zum Marktplatz zwischen der jetzigen Buchhandlung Schmidt und dem alten Rathaus. Asch ist an dem Tag im Jahr 1938 auf dem Weg zu ihrer ersten Verhaftung.

Erinnerungsort für Clara Asch und alle ermordeten Juden

Bernd Englich (CDU) machte deutlich, dass sich seine Fraktion nicht dem Erinnerungsort verschließe, jedoch den Platz für die Benennung für ungeeignet halte. „Eine solche Idee sollte mit Nachdruck wirkungsvoll umgesetzt werden“, sagte er; wandte aber ein, dass: „… die größte Gefahr ist, dass Clara Asch hier unbeachtet bleibt!“ Und weiter: „Wir werden der historischen Bedeutung mit diesem Platz nicht gerecht!“ Lothar Biege (WGS) erklärte, dass der Platz seiner Ansicht nac, nach gründlicher Abwägung gut geeignet sei, weil der Ort gut frequentiert wird und die Stadtgesellschaft dort viel unterwegs sei. Tom Götz (SPD) stellte deutlich heraus, dass dort nicht nur ein Straßenschild angebracht werde, sondern der Platz weiterentwickelt werde. Jan-Philipp Beck (Rot/Grüne Gruppe) sprach sich für das erste Stück vom Marktplatz bis zur Stadtverwaltung aus. „Ein Ort mitten im Zentrum der Stadt war uns wichtig,“ begründete er die Haltung der rot-grünen Mehrheitsgruppe. In der Abstimmung sprachen sich 16 Ratsmitglieder für den zukünftigen „Clara-Asch-Platz“ aus, sechs Mitglieder votierten mit Nein, drei enthielten sich der Stimme. Englich und Tadge (CDU) sagten zu, trotz ihrer Ablehnung der Platzwahl, sich an der zukünftigen Gestaltung zu beteiligen.