Gedenkstein erneuert | Wunstorfer-Stadtanzeiger

Gedenkstein erneuert

Haben sich um eine neue Plakette gekümmert: Burkhard Dreier (li.) und Bernd Roßberg. (Foto: tau)
Haben sich um eine neue Plakette gekümmert: Burkhard Dreier (li.) und Bernd Roßberg. (Foto: tau)
Haben sich um eine neue Plakette gekümmert: Burkhard Dreier (li.) und Bernd Roßberg. (Foto: tau)
Haben sich um eine neue Plakette gekümmert: Burkhard Dreier (li.) und Bernd Roßberg. (Foto: tau)
Haben sich um eine neue Plakette gekümmert: Burkhard Dreier (li.) und Bernd Roßberg. (Foto: tau)

Zum 70. Todestag von Hermann Görner wird in Wunstorf und insbesondere im Ortsteil Klein Heidorn an einen Mann erinnert, der einst als „stärkster Mann der Welt“ galt – und dessen Lebensweg ebenso beeindruckend wie bewegend war. Geboren in Leipzig, erlangte Görner in den 1920er-Jahren internationale Berühmtheit. Als Kraftathlet begeisterte er sein Publikum mit spektakulären Darbietungen in Varietés und Zirkussen rund um den Globus. Ob das Tragen schwerster Lasten, das Stemmen ganzer Menschengruppen oder das Stützen von Konstruktionen, über die sogar Fahrzeuge fuhren – Görners Leistungen galten als nahezu übermenschlich. Bis heute werden einige seiner Kraftakte als außergewöhnlich und unerreicht beschrieben.

Doch hinter der beeindruckenden Fassade stand ein Mann, der auch schwere Schicksalsschläge verkraften musste. Im Ersten Weltkrieg verlor Görner ein Auge und erlitt schwere Verletzungen. Dennoch setzte er seine Karriere unbeirrt fort und wurde zu einer prägenden Figur des frühen Kraftsports. International, insbesondere in den USA und Großbritannien, wird er bis heute als Pionier des modernen Powerliftings gewürdigt. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Görner jedoch fernab des Rampenlichts in Klein Heidorn. Dort lebte er bescheiden und gut integriert in der Gemeinschaft. Er war Mitglied im örtlichen Turn- und Sportverein sowie im Gesangsverein und wurde später sogar zum Ehrenmitglied ernannt. Am 29. Juni 1956 verstarb er, weitgehend vergessen, und wurde auf dem Wunstorfer Friedhof beigesetzt.

Dass sein Name heute wieder stärker ins Bewusstsein rückt, ist auch dem Engagement seines Vereinskameraden und Freundes Hermann Dreier zu verdanken. Dieser ließ vor fünf Jahren eine Gedenkplakette an der Stelle anbringen, an der sich einst Görners Grabstein befand. Nachdem diese zwischenzeitlich verschwunden war, wurde sie nun in Absprache mit der Friedhofsverwaltung erneut ersetzt und zwar von Hermann Dreiers Sohn Burkhard Dreier sowie von Bernd Roßberg, dessen Vater Helmut ebenfalls Hermann Görner kannte. „Es geht um ein Zeichen der Wertschätzung und des Andenkens an einen außergewöhnlichen Sportler und Menschen”, beschreiben die beiden ihr Engagement. So bleibt Hermann Görner nicht nur als „stärkster Mann“ seiner Zeit in Erinnerung, sondern auch als bescheidener Mensch, der in Klein Heidorn seine letzte Heimat fand.


André Tautenhahn (tau)
André Tautenhahn (tau)
Freiberuflicher Journalist
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