Das Oben bestimmt das Unten | Wunstorfer-Stadtanzeiger

Das Oben bestimmt das Unten

Brüche und Deformationen: Die Kanaluntersuchung zeigt Schäden an vielen Stellen.  (Foto: Stadt Wunstorf)
Brüche und Deformationen: Die Kanaluntersuchung zeigt Schäden an vielen Stellen. (Foto: Stadt Wunstorf)
Brüche und Deformationen: Die Kanaluntersuchung zeigt Schäden an vielen Stellen. (Foto: Stadt Wunstorf)
Brüche und Deformationen: Die Kanaluntersuchung zeigt Schäden an vielen Stellen. (Foto: Stadt Wunstorf)
Brüche und Deformationen: Die Kanaluntersuchung zeigt Schäden an vielen Stellen. (Foto: Stadt Wunstorf)

In der Sitzung des Bauausschusses ist am Donnerstagabend (19. Februar) im Rahmen eines Berichts der Stadtentwässerung auch über die Innenstadtsanierung und die damit verbundene Erneuerung des Kanalsystems gesprochen worden. Fachbereichsleiterin Alexandra Perschel machte deutlich, dass auch von technischer Seite die Notwendigkeit bestehe, die aktuell umstrittene Auftragsvergabe an ein Planungsbüro jetzt und nicht erst später vorzunehmen. Über eine derzeit diskutierte „Pause” im Prozess sagte sie: „So viel Zeit haben die Kanäle nicht“. Der Fachbereich benötige Angaben und Daten aus der beabsichtigten Oberflächensanierung, um die Dimension und Lage des neuen Kanalnetzes darauf abgestimmt planen zu können. Wie etwas an der Oberfläche gestaltet wird, hat also Auswirkungen auf den Untergrund. Das Oben bestimmt das Unten mit, so die Botschaft. Entsprechende Mittel für die Kanalsanierung seien im Haushalt für die Jahre 2026 bis 2028 eingestellt und belaufen sich auf rund eine Million Euro. Von Seiten der Stadtentwässerung bestehe daher der Wunsch, die beiden Teilprojekte Oberflächensanierung und Kanalerneuerung zusammen zu denken und abzuarbeiten.

Wie bereits berichtet, sind die Schmutzwasserkanäle in der Innenstadt teilweise bis zu 70 Jahre alt (1956-1965), aus Stein und rund 600 Meter lang. Die Regenwasserkanäle (rund 815 Meter Länge) sind noch etwas älter (Bauzeit 1949-1959), aus Beton und weisen wie die Schmutzwasserkanäle ähnliche Schadensbilder auf, so dass auch alternative Reparaturansätze wie etwa ein Inlinerverfahren nicht möglich sind. Bilder und Videos zeigen, dass dafür Querschnitt und Stabilität aufgrund von Deformation und Brüchen nicht mehr ausreichen. Zudem entsprechen viele Hausanschlüsse nicht dem Standard und sind erneuerungsbedürftig. Auf die Frage nach akut gefährdeten Bereichen, wich Perschel aus. Das ist ein bisschen wie in die Glaskugel zu schauen. Klar ist aber, dass die Notwendigkeit Reparaturarbeiten vornehmen zu müssen, auch sehr kurzfristig auftreten könne. Das belegt der Einsatz vor rund einem Jahr in der Fußgängerzone. Damals hatte ein undichter Schmutzwasserkanal in der Langen Straße dafür gesorgt, dass große Mengen an Fremdwasser in das Entwässerungssystem eintraten. Zur Behebung des Schadens musste das Pflaster auf einer Fläche von 6 mal 3 Metern für mehrere Tage aufgenommen und der Bereich abgesperrt werden. So etwas könne ohne Vorwarnung wieder passieren.

Die Pumpstation im Gänsebruch.  (Foto: gi)
Die Pumpstation im Gänsebruch.  (Foto: gi)

Wie alt sind die Kanäle?

Die Stadt hat Beschädigungen an der Kanalisation in der Innenstadt festgestellt und will im Zuge der Neugestaltung der Innenstadt eine Erneuerung einplanen. Unsere Zeitung hat bei Stadt-Pressesprecher Daniel Pfingsten nachgefragt, wie alt die Kanäle in der Innenstadt sind.

Auch aus diesem Grund sei es ratsamer, jetzt mit fachlicher Unterstützung die Planungen für eine Komplettsanierung aufzunehmen und dafür zu sorgen, dass die Arbeiten durch einen Sanierungsträger eng verzahnt und abgestimmt werden. So besteht die Hoffnung, dass eine Koordination mit Versorgern besser gelingt, damit die ihre Leitungen dann umlegen oder erneuern, wenn es angezeigt ist. Eine ähnliche Entwicklung wie beim Bau des Barnekreisverkehrs soll sich nicht wiederholen. Ob das alles in der Praxis so klappt, bleibt allerdings abzuwarten. Die absehbar lange Dauer der Baumaßnahmen sorgt bei Händlern und Kaufleuten in der Innenstadt jedenfalls für berechtigte Sorgen über mögliche Umsatzeinbußen. Eine Diskussion über eine wirksame Unterstützung während der Umbauzeit könnte daher einen Beitrag dazu leisten, die derzeit verfahrene Lage zu entspannen und das Vertrauen von Betroffenen zurückzugewinnen. Der in Bildung befindliche Arbeitskreis Fußgängerzone kann und soll wiederum über Fragen des Baustellenmanagements diskutieren. Beispiele aus anderen Städten zeigen, dass in solchen Formaten praktikable Lösungen zur Koordination von Bauabläufen entwickelt werden können, um die Belastungen für Anwohner, Händler und Passanten zu reduzieren.


André Tautenhahn (tau)
André Tautenhahn (tau)
Freiberuflicher Journalist
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