Die SPD in Wunstorf hat den amtierenden Bürgermeister Carsten Piellusch erneut als Kandidaten für die kommende Bürgermeisterwahl nominiert. Im Rahmen einer Aufstellungsversammlung erhielt er am Wochenende 59 von 61 Stimmen, eine Stimme entfiel auf Nein, eine auf Enthaltung. In seiner Bewerbungsrede zog Piellusch eine Bilanz seiner bisherigen Amtszeit und skizzierte die Aufgaben der kommenden Jahre. Er verwies auf Investitionen in Bildung und Betreuung, den Ausbau von Schul- und Kitaplätzen sowie Projekte in der Stadtentwicklung und im Wohnungsbau. Als Beispiel für verbesserte Abstimmungen nannte er den sogenannten Blaulichttisch, an dem Feuerwehr, Polizei, Hilfsorganisationen und Verwaltung zusammenarbeiten. Dieses Format habe sich unter anderem beim Weihnachtshochwasser 2023/24 bewährt.
Mit Blick auf die Zukunft machte er deutlich, dass Wunstorf weiter wachsen und sich entwickeln werde, etwa durch neue Wohnprojekte sowie Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Lebensqualität. Weitere programmatische Schwerpunkte werden in den kommenden Wochen erarbeitet und der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit der Nominierung stimmt sich die SPD auf den Wahlkampf ein und setzt dabei vor allem auf den Slogan „Erfahrung”. Als nächstes werden die Bewerber für Ortsräte und den Stadtrat nominiert. Die Entscheidung über die Zusammensetzung der jeweiligen Listen trifft der SPD-Ortsverein im Mai. Die SPD strebt an, nicht nur den Chefsessel im Rathaus behalten zu wollen, sondern auch in den Gremien erneut politisch stärkste Kraft zu werden. Im Stadtrat stellt sie die größte Fraktion und in den Ortschaften acht von zehn Ortsbürgermeistern.
Bürgermeister will auch Martin Pavel werden. Der langjährige Chef der Wunstorfer CDU sowie Ratsherr wurde von seiner Partei bereits im Februar nominiert und hat sich zuletzt auch die Unterstützung von Grünen und FDP gesichert, die keine eigenen Kandidaten ins Bürgermeister-Rennen schicken wollen. CDU, Grüne und FDP streben demnach nicht nur einen „Politikwechsel”, sondern auch einen „Wechsel im Politikstil” an. Dazu haben die drei Parteien zuletzt eine Kooperationsvereinbarung (Steinhuder Erklärung) geschlossen. „Die Vereinbarung verfolgt insgesamt das Ziel, Ökonomie, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Entwicklung und transparente Bürgerbeteiligung in der Stadtpolitik miteinander zu verbinden”, heißt es darin zusammenfassend.
Auf den ersten Blick ist eine grüne Handschrift in dem Papier erkennbar, besonders bei Mobilität, Flächenverbrauch, Klimaschutz und Bürgerbeteiligung. Schlagworte sind unter anderem gerechtere Verteilung des Verkehrsraums zugunsten von Fuß- und Radverkehr, verbunden mit jährlichen festen Investitionen ins Radwegenetz, die Prüfung von Parkplätzen und Verkehrsflächen auf ihr Entsiegelungspotenzial oder eine Biodiversitätsstrategie für städtische Grünflächen zum Schutz der Artenvielfalt. Außerdem sollen Instrumente wie Bürgerräte und Bürgerbudgets geprüft, Livestreams von Rats- und Ausschusssitzungen eingeführt und öffentlich zugängliche Monitoring-Systeme für Anträge und Projekte eingerichtet werden. Auffällig ist auch der Absatz unter dem Stichwort Finanzen, in dem steht, dass trotz angespannter Haushaltslage keine strikte „schwarze Null“ angestrebt werde, um notwendige Investitionen nicht zu gefährden, wie etwa den Umbau in Ganztagsschulen.
Martin Pavel erklärt im Gespräch mit dem Stadtanzeiger dazu, dass viele der genannten Punkte bereits seit November 2025 Teil seiner Kampagne sind. Er spricht daher von einer gemeinsamen Handschrift. Andere Aspekte, wie der Erhalt der „grünen Lunge“ auf dem Jahnplatz oder die Weiterentwicklung des VION-Geländes sind seit vielen Jahren Positionen der CDU. Bei weiteren Themen wie der Entsiegelung von Flächen lerne man hingegen noch dazu. Da gebe es durchaus positive Beispiele, so Pavel. Dennoch: Schaut man auf das Thema Mobilität, werden Positionen vertreten, die bislang durchaus strittig waren, zum Beispiel mit Blick auf die Umsetzung des Radwegekonzeptes zwischen Luthe und dem Bahnhof (Im Blenze).
Eine neue Koalition im Stadtrat gibt es mit der vorliegenden Steinhuder Erklärung nicht. Die Vereinbarung mit Grünen und FDP diene lediglich als gemeinsame politische Grundlage zur Unterstützung des Bürgermeisterkandidaten Martin Pavel. Ob es noch weitere Bewerber für das Amt gibt, ist offen. Die Frist läuft am 20. Juli 2026 aus. Gewählt wird am 13. September. Die Amtszeit beträgt nach einer Änderung der Niedersächsischen Kommunalverfassung dann nicht mehr fünf, sondern acht Jahre. Die Partei Die Linke teilt auf Anfrage mit, dass man sich auf der Suche nach einem Kandidaten derzeit noch in Gesprächen befinde. Diese sollen Anfang Mai abgeschlossen sein. Sprecher Volker Napp erklärt außerdem, dass es für die bereits feststehenden Kandidaten Piellusch oder Pavel keine Wahlempfehlung geben werde. „Auf Grund der Politik der letzten Jahre halten wir beide Kandidaten für nicht willens, eine wirklich bürgernahe und soziale Politik zu machen, siehe bezahlbarer Wohnraum”, so Napp zum Stadtanzeiger. Die Freien Wähler hatten ebenfalls erklärt, keine Wahlempfehlung abgeben zu wollen.