„Wunstorf ist zu langsam“ | Wunstorfer-Stadtanzeiger

„Wunstorf ist zu langsam“

Im Gespräch (v.li.): Carsten Ens, Martin Pavel, Rainer de Groot und Jost Kemmerich. (Foto: Felix Müller)
Im Gespräch (v.li.): Carsten Ens, Martin Pavel, Rainer de Groot und Jost Kemmerich. (Foto: Felix Müller)
Im Gespräch (v.li.): Carsten Ens, Martin Pavel, Rainer de Groot und Jost Kemmerich. (Foto: Felix Müller)
Im Gespräch (v.li.): Carsten Ens, Martin Pavel, Rainer de Groot und Jost Kemmerich. (Foto: Felix Müller)
Im Gespräch (v.li.): Carsten Ens, Martin Pavel, Rainer de Groot und Jost Kemmerich. (Foto: Felix Müller)

Mehr als 50 Zuhörer haben an einer CDU-Podiumsdiskussion in dieser Woche zum Thema „Bauen und Wohnen“ teilgenommen. Moderator Carsten Ens vom Verband der Wohnungswirtschaft in Niedersachsen sprach mit CDU-Bürgermeisterkandidat Martin Pavel, dem Immobilienunternehmer Rainer de Groot und Jost Kemmerich, dem Geschäftsführer des Wunstorfer Bauvereins, über die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in Wunstorf. Die Positionen fielen deutlich aus. Pavel betonte, dass Wunstorf im Vergleich zu Nachbarkommunen bislang zu zögerlich agiert habe. „Wunstorf ist zu langsam und zu zaghaft. Die Schnellen fressen die Langsamen“, sagte er. Besonders habe es geschmerzt, wenn Freunde aus Wunstorf weggezogen seien, weil sie keinen Wohnraum gefunden hätten. Das schade der Stadtentwicklung. Statt seitenlanger Konzepte hätte es klarere Entscheidungen und das gemeinsame Vorgehen aller lokalen Akteure gebraucht.

Auch Rainer de Groot unterstrich diese Einschätzung. Aus Sicht eines Projektentwicklers sei es entscheidend, dass politische Gremien verlässlich und zügig arbeiten, so der Projektentwickler. Jost Kemmerich betonte wiederum, dass der Bauverein als lokaler Partner immer bereit und willens sei, Projekte vor Ort zu begleiten und zu liefern. Die Nachfrage nach Wohnraum ist in Wunstorf groß, die Stadt gilt offiziell als angespannter Wohnungsmarkt. Besonders bei kleinen, bezahlbaren Wohnungen ist der Druck groß. Mit dem Thema soll sich daher schon längst ein Runder Tisch Wohnen mit Akteuren aus Politik und Verwaltung befassen. Ein Termin ist allerdings zuletzt verschoben worden, da das Thema Innenstadtsanierung derzeit die verfügbaren Kräfte in der Verwaltung bindet. An Debattenbeiträgen aus dem politischen Raum mangelt es indes nicht. So hat die SPD-Fraktion kürzlich erklärt, die neue Wohnbauentwicklung Wunstorf GmbH (WBW) künftig deutlich strategischer ausrichten zu wollen. Nach Ansicht der Sozialdemokraten soll die städtische Gesellschaft stärker als bisher dazu beitragen, in allen Ortsteilen mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Bürgermeister Carsten Piellusch (ebenfalls SPD) verwies im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung kürzlich darauf, dass in Wunstorf seit 2021 Baugenehmigungen für mehr als 950 Wohneinheiten erteilt worden seien. Gleichzeitig würden weitere Baugebiete vorbereitet, etwa im Süden Wunstorfs sowie in den Ortsteilen. Ziel sei es, künftig vor allem bedarfsgerechte Wohnangebote zu schaffen, etwa kleinere, zentrumsnahe Wohnungen für beispielsweise ältere Menschen, sagte er beim Frühjahrsempfang der SPD. Also alles gar nicht so schlecht? Herausforderer Martin Pavel sieht es anders. In seinem 10-Punkte-Plan steht das Thema „Wohnraum schaffen” an erster Stelle. „Die Menschen brauchen bezahlbaren Wohnraum. Deshalb muss das Angebot erweitert werden. Nur wenn wir wachsen, können wir die Wohnungsknappheit stoppen und neue Einnahmen realisieren. Umsetzung ab sofort bis 2030.” Die Rolle des Bürgermeisters müsse dabei sein, Hemmnisse in Projekten aktiv aus dem Weg zu räumen. „Der Bürgermeister hat unter anderem die Funktion, Blocker zu lösen, wenn es Probleme bei Projekten gibt”, so Pavel.


André Tautenhahn (tau)
André Tautenhahn (tau)
Freiberuflicher Journalist
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