„Subjektives Sicherheitsempfinden in der Stadthäger Innenstadt“ Mit dieser Überschrift präsentierte das Kompetenzzentrum für Urbane Sicherheit (KURBAS), angesiedelt beim Landeskriminalamt Niedersachsen, kürzlich die Ergebnisse ihrer Untersuchungen. Vorgestellt wurde die Studie von den beiden KURBAS-Mitarbeiterinnen Dr. Anke Schröder und Melanie Schlüter im Rahmen einer kurzfristig einberufenen Sitzung des städtischen Ausschusses für Bürgerdienste, Ordnungswesen und Feuerwehr. Eines der Angebote des Zentrums ist unter anderem die Beratung von Gemeinden, Kommunen und anderen Akteuren rund um das Thema Urbane Sicherheit und städtebauliche Kriminalprävention.

Angsträume und Gefahrenort

Nach einer Erklärung des Unterschiedes zwischen Angsträumen (Unsicherheit erzeugende Orte) und Gefahrenorten (Orte, an denen Ereignisse stattfinden), stellten die Fachfrauen ihre Methoden, die Untersuchungsräume sowie die Zielgruppen der Befragungen dar. Die Untersuchung in Stadthagen beschränkte sich auf die gesamte Innenstadt innerhalb der Wallanlagen und den Schlossgarten. Als Methode wählten Schröder und Schlüter das „Emoji-Mapping“, bei dem Menschen von ausgewählten Personengruppen positiv und negativ ausdrückende Emojis an den für sie zutreffenden Stellen kleben konnten. Ausgewertet wurde dabei folgende sechs Personengruppen: Senioren, Jugendliche weiblich, Jugendliche männlich, mittelalte Männer und Frauen ohne Migrationshintergrund, mittelalte Männer mit Migrationshintergrund und mittelalte geflüchtete Frauen. In vielen Bereichen deckten sich die positiv und negativ bewerteten Orte, teilweise unterschieden sich diese insbesondere bei den verschiedenen Altersgruppen.

Plätze ohne „Angst zu haben”

Positiv bewertet wurden insbesondere der Marktplatz – tagsüber, sowie der Schlossgarten – tagsüber. Die Obernstraße wurde grundsätzlich positiv gesehen, jedoch mit der Einschränkung, sie sei zu unbelebt. Sehr viel Aufmerksamkeit erreichten die Wissenschaftlerinnen mit der Darstellung der ermittelten Angsträume. Auf den beiden mit den entsprechenden grünen (positiv) und roten (negativ) Klebern gekennzeichneten Karten wurde deutlich, dass das subjektive Sicherheitsempfinden ein deutliches „Nord- Südgefälle“ aufzeige, so Melanie Schlüter. Angsträume wurden insbesondere im Bereich der Wallanlage Nord & West, der Niedernstraße, dem Kiosk am ZOB, der Wallanlage Ost und im Bereich der Schule am Schlosspark identifiziert.

Es fehlt an Beleuchtung

Als Grund für die Benennung fiel häufig mangelnde Beleuchtung. Wegen mangelnder Beleuchtung wurden zusätzlich der Landsberg`sche Hof und der Schlosspark bei Dunkelheit genannt. Auch an Orten, die grundsätzlich nicht den genannten Angsträumen zugeordnet werden konnten, nannten viele Befragte Unsicherheitsfaktoren. Besonders auf dem Marktplatz und in der Fußgängerzone verursachen E-Scooter-Fahrer aber auch E-Bike-Nutzer ein erhebliches Unsicherheitsempfinden. In der Regel hat dies mit den zum Teil hohen Geschwindigkeiten zu tun. Neben der allgemeinen Verunsicherung bei Dunkelheit spielen besonders männliche, junge Personen an einer Reihe von Orten eine entscheidende Rolle beim subjektiven Sicherheitsempfinden eines Teils der Befragten. Alkohol, Drogen und teilweise als aggressiv empfundenes Auftreten der Personen, wurden als Gründe genannt. Die Niedernstraße, die Schule am Schlosspark, der Kiosk am ZOB sowie der Bereich zwischen Marktplatz und Martinikirche wurden häufig genannt. Im Ergebnis fassten Anke Schröder und Melanie Schlüter zusammen, dass es ein „Nord- Südgefälle bei der Bewertung der Innenstadt gibt, dass es kaum Bedarf an baulich- räumlichen Veränderungen im südlichen Teil, aber einen hohen Leerstand im nördlichen Teil gibt, dass es zu Begegnungs- und Nutzungskonflikten auf dem Marktplatz und den Wallanlagen kommt und dass negativ auffallende männliche Personen im öffentlichen Raum zu Verunsicherung führen.

Konkrete Vorschläge von KURBAS

Mit fünf konkreten Vorschlägen der Kurbas-Mitarbeiterinnen endete die Vorstellung der Untersuchung. 1. Attraktivität der nördlichen Innenstadt steigern 2. Nutzungsregeln für den öffentlichen Raum aufstellen und umsetzen 3. Bedarfe unterschiedlicher Zielgruppen erfassen 4. Partizipationsformate mit allen Zielgruppen durchführen 5. Workshop zur Maßnahmenentwicklung. Konkret benannte Schröder ein mögliches E-Scooter- und E-Bike-Verbot in der Fußgängerzone, sowie Alkohol- und Drogenverbote in ausgewiesenen Bereichen. Über ein Dutzend Zuhörer verfolgten die Sitzung, erstaunlich viele, wie Lothar Biege (WG Stadthagen) feststellte. Das zeuge von großem Interesse in der Bevölkerung an dem Thema. Wichtig sei seiner Ansicht nach, das Thema Licht und dass man bei der Stadt in Kontrollpersonal investieren müsse. Ulrike Koller (SPD) stellte die Frage, wo Politik Gelder bereitstellen müsse, um das umzusetzen. Fachbereichsleiterin Iris Freimann sagte zu, dass die Verwaltung bereits in der kommenden Ausschusssitzung konkrete Vorschläge unterbreiten wolle und schlug vor, dass die Studie zunächst in den Fraktionen besprochen werden solle. Einem Workshop stehe man offen gegenüber.