Rat der Stadt distanziert sich von Agnes Miegel | Wunstorfer-Stadtanzeiger

16.07.2026 08:26

Rat der Stadt distanziert sich von Agnes Miegel

Das Agnes-Miegel-Haus in Bad Nenndorf: Museum und Gedenkstätte. (Foto: gk)
Das Agnes-Miegel-Haus in Bad Nenndorf: Museum und Gedenkstätte. (Foto: gk)
Das Agnes-Miegel-Haus in Bad Nenndorf: Museum und Gedenkstätte. (Foto: gk)
Das Agnes-Miegel-Haus in Bad Nenndorf: Museum und Gedenkstätte. (Foto: gk)
Das Agnes-Miegel-Haus in Bad Nenndorf: Museum und Gedenkstätte. (Foto: gk)

Durchaus überraschend fällte der Rat der Stadt Bad Nenndorf, in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause, einstimmig den Beschluss, dass die Stadt Bad Nenndorf aus der Agnes-Miegel-Gesellschaft austritt.

Die Entscheidung traf der Rat aufgrund eines entsprechenden Antrags der Grünen im Rat. Allerdings waren die Grünen bereits davon ausgegangen, dass die Stadt ihre sämtlichen Kontakte zur Agnes-Miegel-Gesellschaft längst aufgelöst hatte.

Anlass hierfür sahen die Politiker in der Entfernung des Denkmals für Agnes Miegel aus dem Kurpark im Jahr 2015. Stellvertretender Bürgermeister und Ratsherr Dietmar Buchholz begründete den Antrag damit, dass „die Dichterin nie entnazifiziert wurde“. Die Grünen untermauerten ihren Antrag mit „Beweismaterial“ für Miegels Verstrickungen in die Machenschaften des Dritten Reichs.

Bereits im Jahr 1969 hätte das Gymnasium Bad Nenndorf die Umbenennung in „Agnes-Miegel-Schule“ mit der Begründung abgelehnt, „dass sich die Dichterin während des Dritten Reiches stark im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung betätigt hat, was unter anderem in den Führergedichten deutlich zum Ausdruck kommt. Außerdem war die Dichterin als einzige Frau in der Reichsschrifttumkammer. Wir meinen, dass Agnes Miegel nicht geeignet ist, einer Jugend zum Vorbild zu dienen, die im Sinne unserer demokratischen Verfassung erzogen werden soll“, führen die Grünen in ihrer Begründung unter anderem an.

Agnes Miegel habe sich nachweislich zur Herrschaft Hitlers und zur Ideologie des Nationalsozialismus bekannt und nach 1945 öffentlich nicht distanziert“, heißt es in der Begründung weiter. Angesichts ihrer Rolle während des Dritten Reiches habe sie keine Vorbildfunktion, da sie „sich öffentlich immer zum NS-Staat bekannt habe“ und „als Vertreterin einer nationalsozialistischen Frauenkultur“ eine „exemplarische antidemokratische Schriftstellerin und systemkonforme Vorzeigedichterin“ gewesen sei, denn nicht nur ihr Werk „spiegelt eine deutliche Nähe zum Nationalsozialismus wider, sondern auch ihr Verhalten zum und im Regime, dessen Weg für sie bereits 1933 „nicht nur der neue Weg – sondern der einzige Weg ist“.

Der Rat wollte sofort die Entscheidung treffen und nicht zunächst zur weiteren Diskussion einem Fachausschuss übergeben, wie es eigentlich üblich ist.

Was bleibt ist die Frage, was jetzt aus dem Agnes-Miegel-Platz in Bad Nenndorf wird. Und ob das Agnes Miegel-Haus weiterhin Bestand hat? Für Buchholz wäre es „ein konsequenter weiterer Schritt, dem Beispiel anderer Ortschaften zu folgen, die sich zu einer Umbenennung entschlossen haben“. Für den Grünen Politiker Buchholz wäre hierzu eine Initiative der Anwohner des Platzes anzuregen.

Die Vorsitzende der Agnes Miegel Gesellschaft, Dr. Marianne Kopp, war für das Schaumburger Wochenblatt nicht zu erreichen. Der Pressesprecher, Detlef Suhr, erklärte kurz und knapp, dass er von der Entscheidung nichts wisse und sich darum kümmern werde. Bis Redaktionsschluss gab es keine weitere Antwort.


Winfried Gburek
Winfried Gburek
Freier Redakteur Schaumburger Wochenblatt
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