Die Kandidatenaufstellung der Grünen für die Stadtratswahl am 13. September sorgt für Diskussionen, weil mehrere Bewerber nicht in ihren jeweiligen Wohn- oder Wirkungsbereichen antreten. So kandidieren etwa Reiner Roth aus Steinhude und Lothar Porcher aus Großenheidorn im Wahlbereich I, der die Kernstadt (also die Ortsteile Wunstorf, Klein Heidorn und Blumenau/Liethe) umfasst, während mit Rudolf Speckhan (Blumenau) und Anne Dalig zwei bekannte Gesichter aus der Kernstadt im Wahlbereich II (Umland) antreten. Auf Nachfrage räumt Vorstandssprecherin Anne Dalig offen ein, dass diese Zuordnung bewusst gewählt wurde. Die Partei habe ihre Kandidaten „taktisch gesetzt“, um die Erfolgschancen zu erhöhen.
Ein zentraler Gedanke hinter dieser Strategie ist es, erfahrene oder bekannte Kandidaten möglichst sicher in den Stadtrat zu bringen. Dalig rechnet damit, dass Rudolf Speckhan (Listenplatz 1, Umland) viele persönliche Stimmen gewinnen könnte und somit erneut im Rat vertreten wäre. Auch Guido Thimian aus Kolenfeld (Listenplatz 2, Umland) solle unbedingt ein Mandat erhalten. Für sich selbst formuliert Dalig (Listenplatz 5, Umland) eine differenzierte Haltung: Sie wolle weiterhin Vorstandssprecherin bleiben und sehe ein Ratsmandat nicht zwingend als notwendig an. Sollte sie jedoch gewählt werden, würde sie dieses nicht ablehnen. Auch die Platzierung von Reiner Roth (Listenplatz 2, Kernstadt) begründet Dalig mit strategischen Überlegungen. In der Innenstadt sei er deutlich bekannter als im Umland und habe dort entsprechend bessere Chancen auf Stimmen. Diese Bekanntheit solle gezielt genutzt werden. Gleichzeitig betont die Parteivorsitzende die inhaltliche Bedeutung einzelner Kandidaten. Roth sei „für den Rat eine Bereicherung“ und daher für die Partei besonders wichtig.
Die ungewöhnliche Verteilung der Kandidaten dürfte dennoch weiter für Diskussionen sorgen. Gerade Wähler könnten irritiert sein, wenn Kandidaten nicht in „ihrem“ Gebiet antreten. Die Aufstellung der Kandidatenlisten bereitete den Grünen allerdings auch in anderer Hinsicht Sorgen. Der Anspruch, für alle Ortsräte Kandidierende zu finden, erfüllte sich nicht. Für Idensen ist das nicht gelungen, da die Kandidatin aus der letzten Wahlperiode umgezogen ist. Für die anderen Ortsräte konnten mindestens einer oder mehrere Bewerber nominiert werden. „Gern hätten wir unseren persönlichen Anspruch, jeden ungeraden Platz mit einer Frau zu besetzen, erfüllt. Das ist uns leider nicht gelungen. Es war diesmal schwierig, Kandidatinnen für die Listen zu gewinnen”, räumt Dalig ein. Frauen seien in ihrer beruflichen Tätigkeit stark eingebunden. Dazu komme die Care-Arbeit, die meistens auf ihren Schultern laste. Um Haushalt, Kinder und zum Teil pflegebedürftige Eltern müssten sich immer noch überwiegend Frauen kümmern. „Dann ein kommunales Mandat anzustreben, erscheint vielen Frauen nicht mehr möglich. Dennoch haben wir ein motiviertes Team mit Kandidierenden zusammenstellen können, um im Wahlkampf aktiv für unsere Ziele zu kämpfen“, so Dalig.
Mit der Festlegung der Listen für die Kommunalwahl haben die Grünen auch ihr Vorstandssprecherteam wieder komplettiert. Nachdem Reinhard Hüttermann das Amt kommissarisch übernahm, gibt es jetzt einen Nachfolger als Vorstandssprecher. Jan-Philipp Ramm, vormals Beisitzer im Vorstand wurde zum neuen Sprecher gewählt. Hüttermann bleibt als Wahlkampfmanager tätig, da er bereits viel in die Vorplanung investiert hat. Als neuen Beisitzer wählten die Mitglieder Frank Dollmann. Der neue Vorstandssprecher gibt auch gleich die Wahlkampfrichtung vor: „Wir wollen eine Veränderung in der politischen Landschaft in Wunstorf. Aus diesem Grund werden wir Martin Pavel in seiner Kandidatur als Bürgermeister unterstützen”, sagt Jan-Philipp Ramm. Konkrete Aussagen, wie die Zusammenarbeit im Rat nach dem 13. September weitergeht, wollen die Grünen aber nicht treffen. „Wir kämpfen für die Umsetzung unserer Forderungen, zu denen die Förderung von bezahlbarem Wohnraum und die Transformation hin zu einem klimafreundlichen Verkehr für alle gehören.” Zuletzt hatte es inhaltlich wieder einen Rückschlag gegeben. Im Stadtrat konnten sich die Grünen mit ihrem Antrag, die Kreisverkehre und Verkehrsinseln in Zusammenarbeit mit Garten- und Landschaftsbauern optisch und klimafreundlich aufzuwerten, nicht durchsetzen. Der Antrag wurde bei nur fünf Ja-Stimmen mit großer Mehrheit abgelehnt.
Wahlbereich I (Kernstadt)
1. Alexander Cavic
2. Reiner Roth
3. Alexandra Schimpf
4. Malte Süss
5. Lothar Porcher
6. Reinhard Hüttermann
Wahlbereich II (Umland)
1. Rudolf Speckhan
2. Guido Thimian
3. Jan-Philipp Ramm
4. Friedhelm Selke
5. Anne Dalig