Die SPD Wunstorf bekennt sich klar zur Umsetzung des bundesweiten Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen ab dem Schuljahr 2026/2027. Die Fraktion unterstützt dabei den pragmatischen Kurs der Stadtverwaltung und warnt vor unrealistischen Erwartungen, wie aus einer aktuellen Pressemitteilung hervorgeht. „Wunstorf ist im Vergleich gut unterwegs“, betont Robert Conrad, schulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Die Verwaltung setze auf umsetzbare Maßnahmen, damit kein Kind und keine Familie abgehängt wird.
Ab Sommer 2026 starten offene Ganztagsangebote an den Grundschulen Bokeloh, Kolenfeld und Oststadt, zunächst mit Übergangslösungen wie Horten und externen Partnern. Parallel laufen Planungen für bauliche Erweiterungen in Luthe und Steinhude. Bestehende Ganztagsstandorte wie Klein Heidorn und die Stadtschule bleiben zentrale Bausteine der städtischen Strategie. In den kommenden Jahren sollen auch die übrigen Grundschulen schrittweise in Ganztagsschulen überführt werden. Vorbereitungen laufen bereits an der Albert-Schweitzer-Schule sowie in Luthe und Steinhude. „Wir handeln verantwortungsvoll und bleiben handlungsfähig, auch wenn Bauprojekte nicht sofort abgeschlossen sind“, so Conrad.
Fachkräftemangel, komplexe Verfahren und begrenzte Mittel machten einen sofortigen Vollausbau unmöglich. Die SPD kritisiert in diesem Zusammenhang fehlende Vorgaben des Kultusministeriums. Wichtige Richtlinien wie der Ganztagsschulerlass sowie ein aktualisierter Rechts- und Finanzierungsrahmen seien noch nicht verabschiedet, was die Planung vor Ort erschwere. „Wer den Ganztag politisch will, muss ihn auch ermöglichen – mit klaren Standards und zugesagten Fördermitteln“, fordert Conrad.
Er kritisiert auch pauschale Kritik und unrealistische Maximalforderungen, die die realen Engpässe verkennen und unerfüllbare Erwartungen wecken. Gemeint ist damit eine Einlassung des Schulausschussvorsitzenden Marvin Nowak (Grüne) im Nachgang zur letzten Sitzung. ”Als Vorsitzender des Schulausschusses trägt Herr Nowak besondere Verantwortung: Er hätte den Prozess frühzeitig moderieren, Zwischenschritte ermöglichen und Lösungen mit Verwaltung, Schulen, Trägern und Eltern koordinieren können, um seine Kritik konstruktiv zu äußern. Öffentliche Pauschalkritik statt Mitarbeit kostet Zeit und verunsichert”, so Conrad.
Nowak hatte wiederum das Fehlen einer vorausschauenden Planung seitens der Stadt bemängelt und in diesem Zusammenhang von ”Schönfärberei” gesprochen. ”Hätte die Stadt frühzeitig gehandelt, wären die baulichen Voraussetzungen zur Not auch im Interim geschaffen und der Ganztag gesichert”, so Nowak. ”Bereits in der konstituierenden Sitzung des Schulausschusses 2022 habe ich darauf hingewiesen, dass Wunstorf mit den notwendigen Baumaßnahmen nicht pünktlich fertig werden wird und es Interimslösungen braucht”, so Nowak weiter. Niemand habe die Stadt daran gehindert, frühzeitig Lösungen zu erarbeiten – etwa durch Anmietung zusätzlicher Räume oder modularer, mobiler Raumeinheiten.
Als Vater von drei Kindern habe ich im Hinblick auf Schule so einiges durch- und mitgemacht: Elternvertreter für verschiedene Klassen an verschiedenen Schulen (Grundschule, Gymnasium und IGS), im Schulelternrat einzelner Schulen sowie im Stadt- und Regionselternrat. Immer die selben Themen, die an anderenorts durchaus gut bewältigt wurden. Das schon vor etlichen Jahren, einschließlich des Gesetzanspruchs auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule, der da vereinzelt schon läuft.
In Wunstorf (ver)schläft der Schulträger diese Aufgabe seit Jahren. Und nein, die Politik ist überhaupt nicht für eine Verwaltung in die Verantwortung zu ziehen. Sie ist auf kommunaler Ebene ehrenamtlich tätig und als Aufsichtsrat zu sehen. Ständige Hinweise der Politik gemäß Protokollen auf allen Ebenen, die dringlich in diese Richtung zum Handeln auffordern, kann man dem öffentlichen Ratsinformationssystem der Stadt Wunstorf sehr gern entnehmen.
Wenn ein Herr Conrad (SPD) als schulpolitischer Sprecher den Blick auf andere Kommunen richten mag, sieht es dort wo ich es erlebt habe, deutlich besser und nicht schlechter aus! Man richtet den Blick gern dort hin, wo man besser da steht und vielleicht hat er einfach keine Ahnung. Und auch noch mal nein, man muss nicht abwarten bis das Land etwas Spielraum ermöglicht, wenn die Aufgabe gesetzlich klar definiert ist!
Schade, dass das wieder einmal Eltern ausbaden müssen, weil eine Kommune nicht in der Lage ist, ihrer Pflichtaufgabe nachzukommen. Keine Ausreden sind erlaubt. Proaktives Handeln aber sehr gern.
Horst Ruser, Luthe