Schlammkrise am Steinhuder Meer | Wunstorfer-Stadtanzeiger

Schlammkrise am Steinhuder Meer

Im Austausch: Vertreter des Vereins und der Politik. (Foto: wb)
Im Austausch: Vertreter des Vereins und der Politik. (Foto: wb)
Im Austausch: Vertreter des Vereins und der Politik. (Foto: wb)
Im Austausch: Vertreter des Vereins und der Politik. (Foto: wb)
Im Austausch: Vertreter des Vereins und der Politik. (Foto: wb)

Bereits zweimal hat der Verein zum Erhalt des Steinhuder Meeres (VESM) zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion eingeladen. Thema war jeweils die zunehmende Verlandung des Meeres. Eine Verlandung, die viele als Existenz bedrohend im Hinblick auf die jetzige Nutzung des Meeres ansehen. Nun hat der VESM den Kontakt zur Politik gesucht.

Neben Mitgliedern des Arbeitskreises Umwelt und Klimaschutz der CDU-Regionsfraktion waren als lokaler CDU-Regionsabgeordnete auch Rolf-Axel Eberhardt und Stefan Proscha, Ortsbürgermeisterin Christiane Schweer, der Mardorfer Bürgermeister Hubert Paschke, Martin Pavel als Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes, Patrick Meyer als Vorsitzender der CDU-Steinhude und Oliver Junk als CDU-Kandidat für das Amt des Regionspräsidenten anwesend. Seit seiner Gründung tritt der VESM für eine Entschlammung der Deipen ein, um ihre natürliche Funktion wiederherzustellen. Dabei geht der Verein davon aus, dass sich rund 4 Millionen Kubikmeter Schlamm in den Deipen befinden. Werden diese entnommen, würde die natürliche Strömung im Meer wiederhergestellt werden. Aktuell wird wesentlich weniger Schlamm entnommen. Ein Grund liegt neben enormen Kosten in den zu geringen Lagerkapazitäten. Aspekte, die auch im Verlauf der Diskussion zur Sprache kamen.

So betonte Eberhardt, dass das Steinhuder Meer enorm wichtig sei für den Tourismus in der Region und lobte den Verein für sein Engagement. Klares Ziel müsse die Entschlammung sein, worüber schnell politischer Konsens erzielt wurde. Und so plädierte Junk dafür, dass man nach der Kommunalwahl alle Beteiligten an einen Tisch holt. Dabei sollten auch die Kommunen nicht fehlen. Außerdem plädierte er für ein entsprechendes Budget, denn ohne entsprechende Finanzen keine Maßnahmen. Eberhardt sprach sich gegen weitere Gutachten aus. Man müsse endlich ins Handeln kommen. Auch den Seeentwicklungsplan II sah er ähnlich kritisch wie der VESM. Man müsse neue Polder bauen. Einstimmig sprach man sich für mehr politischen Konsens aus, damit die Verwaltung arbeiten kann.

Einig war man sich auch in der Aussage, dass man nicht mehr viel Zeit hätte, um die Verlandung des Meeres aufzuhalten. „Es ist fünf vor zwölf oder später.“ Auf jeden Fall müssen die Deipen zukünftig wieder funktionieren und das Thema zur Chefsache erklärt werden. Auch die Erwirkung von Ausnahmen im Hinblick auf den Naturschutz zwecks Schlammlagerung hielt man in dieser Runde für denkbar.

Leserbrief

Neues Gutachten mit alten Aussagen

Man merkt, in Niedersachsen stehen Kommunalwahlen an. Der verstärkt zunehmende Schlamm im Steinhuder Meer ist wieder Thema bis hoch in die Region Hannover.
Es wird wieder viel diskutiert und wenn es ganz hart kommt, muss ein neues Gutachten mit alten Aussagen her, um Zeit zu gewinnen den Schlamm im Meer zu belassen. Mir fehlt ein inzwischen immer wichtiger werdender Gesichtspunkt, der Klimawandel. Gerade die selbsternannten Naturschützer weisen immer wieder darauf hin, wie wichtig es ist, sich zum Beispiel auf zunehmende Waldbrände einzustellen. Das Steinhuder Meer als Gewässer, nicht als Schlammhalde, könnte ein wichtiger Baustein in der Vorsorge sein. Erinnern wir uns an 1975. Damals wurde das Meer als Tankstelle für französische Löschflugzeuge benötigt, die ihre Bäuche im Flug mit Meerwasser füllten, um die Waldbrände in der Lüneburger Heide zu bekämpfen. Dieses ist mit einem verschlammten Steinhuder Meer nicht mehr möglich. Das Steinhuder Meer kann unter diesem Gesichtspunkt durch kein anderes Gewässer im weiteren Umkreis ersetzt werden. Ein wichtiger Punkt also für die Löschwasservorsorge. Mir ist nicht verständlich, außer man will die Entschlammung verhindern, warum der getrocknete Schlamm nicht als Abdeckung für zum Beispiel die naheliegende Abraumhalde in Bokeloh genutzt werden kann. Die Halde soll begrünt werden, was durch die pflanzlichen Stoffe im getrockneten Schlamm begünstigt würde. Derzeit wird die Halde mit sogenanntem modifiziertem(?) REKAL-Material, einem Abfallstoff aus der Aluminiumherstellung, abgedeckt. Was sollte am Steinhuder Schlamm schlechter sein, zumal an der Halde ausgeschwemmtes Regenwasser meines Wissens immer noch aufgefangen wird.
Die Meer-Region ist wirtschaftlich für viele Menschen sehr wichtig. Im Hamburger Hafen baggert man für zig Millionen den Schlamm aus, um ihn dann, nicht ortsnah, weit weg in der Nordsee zu verklappen. Die Inhaltsstoffe, entstanden durch Industrie, sind da nicht von Interesse. Es wird auch nicht Jahre diskutiert, sondern gehandelt. Hier ist der Eigentümer, das Land Niedersachsen, in der Pflicht endlich zu handeln.


Bernd Wischhöver, Steinhude


    Verena Walter-Bockhorn (wb)
    Verena Walter-Bockhorn (wb)
    Freie Journalistin
    north