Der Nebel lichtet sich | Wunstorfer-Stadtanzeiger

Der Nebel lichtet sich

#wunstorfticker. (Foto: tau)
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Kurz vor dem Ende der Wahlperiode werden in Wunstorf mehrere Wohnbauprojekte konkret. Neben dem neuen „Oststadtbogen” auf dem ehemaligen Vion-Gelände bestätigt die Stadt nun auch Planungen für ein weiteres Baugebiet in Blumenau. Dort könnten mindestens 250 Wohnungen entstehen. Das sind Entwicklungen, die im Wahlkampf durchaus eine Rolle spielen werden, da Wunstorf seit über einem Jahr zu den Kommunen mit angespanntem Wohnungsmarkt zählt. Der Druck auf Politik und Verwaltung, in diesem Punkt Abhilfe zu schaffen, ist entsprechend hoch. Das lässt sich auch aus vielen Rückmeldungen zum derzeit laufenden Heimat-Check 2026 des Wunstorfer Stadtanzeigers ablesen (hier geht es zur Umfrage, die bis zum 31. Mai 2026 verlängert wird). Nach Angaben von Stadtbaurat Alexander Wollny arbeitet die Verwaltung seit gut einem Jahr intensiv an der Entwicklung eines Baugebiets auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Brändel in Blumenau.

Zunächst hätten grundlegende Fragen geklärt werden müssen. „Ganz zentral ging es darum, ob die neu hinzutretende Bebauung aus raumordnerischen Gesichtspunkten als verträglich für den Ortsteil Blumenau angesehen werden kann“, sagt Wollny. Hintergrund ist, dass Blumenau im Regionalen Raumordnungsprogramm lediglich als Ortsteil mit Eigenentwicklungspotenzial ausgewiesen ist. Das geplante Wohngebiet galt bislang in seiner Dimensionierung als zu groß. Nun behilft man sich mit einem Trick. Da die Fläche zwischen Kernstadt und Ortsteil liegt, sah die Stadt eine besondere Ausgangslage. Gemeinsam mit der Region Hannover wurden daher Eckpunkte erarbeitet, um die Entwicklung dennoch zu ermöglichen. Geplant ist eine abgestufte Bebauung: Während der südliche Bereich in Richtung Kernstadt eher urban mit Geschosswohnungsbau geprägt sein soll, ist im nördlichen Abschnitt eine aufgelockerte Struktur mit Reihenhäusern vorgesehen. Ein Grünzug soll die beiden Bereiche optisch trennen.

Zur Größenordnung des Projekts nennt die Verwaltung nun erstmals konkrete Zahlen. „Ich gehe davon aus, dass wir auch in diesem Baugebiet mindestens 250 Wohneinheiten realisieren können“, so Wollny. Offen ist noch, ob für die beiden Bauabschnitte separate Bebauungspläne erstellt werden. Da hinter den Teilflächen unterschiedliche Investorengruppen stehen, spricht aus Sicht der Verwaltung einiges für eine Aufteilung. Auch Fragen zur verkehrlichen Erschließung konnten nach Angaben der Stadt inzwischen weitgehend abgestimmt werden. Dabei geht es insbesondere um die Anbindung an die Ortsdurchfahrt Blumenau sowie die Nähe zur geplanten Nordumgehung und einem neuen Brückenbauwerk zwischen Blumenau und Luthe. Das städtebauliche Konzept befindet sich aktuell in der Abstimmung, so Wollny. Ziel ist es, nach der Sommerpause mit einem Aufstellungsbeschluss in die politische Beratung zu gehen.

Weitere Vorhaben sind bereits angekündigt, wie der neue „Oststadtbogen“ auf dem ehemaligen Vion-Gelände, wo künftig mehrere hundert Wohnungen entstehen sollen. Kürzlich ist der Spatenstich im Viertel vorm Meer in Steinhude erfolgt. Perspektivisch könnten neue Wohngebiete in Mesmerode (neben dem neuen Feuerwehrhaus), in Bokeloh (Kettler West) und in Wunstorf Süd entstehen. Damit rückt der Wohnungsbau kurz vor der Wahl verstärkt in den Fokus. Die Parteien haben das Thema ganz oben auf ihrer Agenda und setzen vor allem auf eine Beschleunigung der Verfahren. Der ehemalige Wirtschaftsförderer der Stadt, Uwe Schwamm, hat sich mit einem Thesenpapier in die Diskussion eingebracht. Er plädiert für eine zweigleisige Strategie und meint damit eine Kombination aus Neubau und der Aktivierung leerstehender Immobilien, etwa mit Hilfe eines Leerstandskatasters und einer Zweckentfremdungssatzung.

Ehemaliger Wirtschaftsförderer: Die Stadtentwicklung liegt Uwe Schwamm auch im Ruhestand am Herzen.  (Foto: gi)

Thesenpapier von Schwamm

Der ehemalige Wirtschaftsförderer Uwe Schwamm bringt sich mit einem Thesenpapier in die Diskussion um Wohnraum in Wunstorf ein. Er plädiert für eine Kombination aus Neubau und der Aktivierung leerstehender Immobilien und sieht darin erhebliches Potenzial für die Stadtentwicklung.

Auch das Thema Bezahlbarkeit rückt in in den Fokus. So hatte die Partei Die Linke beim Vorhaben „Oststadtbogen” das Fehlen einer verbindlichen Quote für den sozialen Wohnungsbau kritisiert und vorgeschlagen, eine Quote von mindestens 35 Prozent festzulegen. Das sei angesichts steigender Mieten geboten. Denn Wirtschaftlichkeit dürfe nicht das alleinige Leitprinzip sein. In jüngsten Presseäußerungen der SPD-Fraktion taucht die Sozialquote inzwischen ebenfalls auf. Mehr Tempo beim Bauen und bezahlbarer Wohnraum müssten zusammen gedacht werden. Die Sozialdemokraten halten künftig eine Quote von 30 Prozent für geförderte beziehungsweise bezahlbare Wohnungen bei größeren Wohnbauentwicklungen für angemessen. Die CDU schreibt in ihrem Wahlprogramm, einen besonderen Fokus auf bezahlbaren Wohnraum für Familien, kleinere Wohnungen für Singles und altersgerechtes Wohnen legen zu wollen.


André Tautenhahn (tau)
André Tautenhahn (tau)
Freiberuflicher Journalist
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