Ende 2025 wurde seitens der Bundesregierung der zeitlich befristete sogenannte „Bau-Turbo“ verabschiedet. Dabei handelt es sich um eine zeitlich befristete Sonderregelung, die Kommunen ermöglichen soll, Planungsverfahren für den Wohnungsbau zu beschleunigen und zugleich den Handlungsspielraum für Gemeinden und Bauherren zu erweitern.
Im Mittelpunkt steht somit die Möglichkeit, Abweichungen vom bestehenden Bauplanungsrecht für Vorhaben im Wohnungsbau zu ermöglichen. Sofern die entsprechenden politischen Gremien in der Stadt zustimmen, könnte man zum Beispiel die Umnutzung und Aufstockung erleichtern, sofern keine erheblichen Belastungen für Umwelt oder Nachbarschaft entstehen, so Stadtsprecher Daniel Pfingsten auf Nachfrage. Welche Regelungen Anwendung finden könnten, soll gemeinsam mit der Politik am sogenannten „Runden Tisch Wohnen“ besprochen werden.
Nicht nur in der Kernstadt fehlt bezahlbarer Wohnraum, sondern auch in den einzelnen Stadtteilen. Dabei kommt Steinhude als staatlich anerkannter Erholungsort noch eine besondere Rolle zu. Hier stellt sich für Investoren die Frage, ob man Mietwohnungen beziehungsweise Eigentumswohnungen oder lieber gleich Ferienwohnungen baut. Nach Auskunft der Stadtverwaltung wurden in den Jahren 2024 und 2025 insgesamt 16 Bauanträge für Einfamilienhäuser gestellt, außerdem Anträge für insgesamt 89 Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern und für insgesamt 19 Wohneinheiten in Form von Ferienwohnungen. Allerdings wird bei dieser Auflistung nicht zwischen Mietwohnungen und Eigentumswohnungen unterschieden. Das heißt aber nicht, dass diese Bauanträge auch realisiert wurden, beziehungsweise entsprechende Bauten fertiggestellt wurden. Man denke nur an die Friedenseiche oder das Viertel vor dem Meer.
Wie bereits berichtet, erwartet Ortsbürgermeisterin Christiane Schweer, die auch Mitglied im Bauausschuss ist, dass sich der „Bau-Turbo“ auf Steinhude auswirken wird. Eine Erwartung, die Wilhelm Bredthauer (ebenfalls Mitglied im Bauausschuss) durchaus teilt. Dabei verweist er nicht nur auf die bereits genannten Baugebiete, sondern auch auf Kellerbusch-Süd oder große Grundstücke, die vor einem Generationenwechsel stehen. Allerdings wird der Bau-Turbo hier nur einen geringen Einfluss auf die Bebauung haben, wenn es nicht gelingt, konkrete Vorgaben kostenintensiver Vorschriften zu mildern. „100 Euro Baukostenminderung pro Quadratmeter Wohnfläche werden sicherlich keine Wirkung entfalten“, so Bredthauer. Außerdem plädiert er für eine Lockerung der Vorgaben der Randbebauung im Außenbereich: „Dieses könnte Möglichkeiten im östlichen Ortsrand Steinhudes schaffen.“
Problematisch sieht er dagegen die Vereinfachung des Stellplatznachweises, da schon jetzt viele ihre Garage im öffentlichen Verkehrsraum haben. Auch Kerstin Obladen (Freie Wähler) plädiert als Mitglied des Ortsrates Steinhude und des Bauausschusses für eine Verringerung der Bauvorschriften mit dem Ziel der Baukostenreduzierung. Dabei plädiert sie für eine sinnvolle Reduzierung von Vorschriften, für klare und verlässliche Vorgaben und kürzere Entscheidungswege. „Nur so kann Bauen wieder wirtschaftlicher werden und gleichzeitig der besondere Charakter Steinhudes erhalten bleiben“, sagt Obladen.