Die Quartiersentwicklung auf dem ehemaligen Vion-Areal nimmt nach fast zwei Jahren Stillstand wieder Fahrt auf. Stadt Wunstorf und der Projektentwickler Deutsche Siedlungsbau haben einen überarbeiteten Entwurf vorgestellt, mit dem auf der Industriebrache ein nachhaltiges, fossilfreies Wohnquartier entstehen soll.
Grundlage der neuen Planung ist eine Weiterentwicklung des ursprünglichen Masterplans. Entlang der Bahngleise ist eine schallschützende Bebauung vorgesehen, die das künftige Wohngebiet wirksam vom Bahnlärm abschirmt. Auf dem Areal sollen zwischen 350 und 400 Wohneinheiten entstehen. Geplant ist ein marktgerechter Mix aus Mehrfamilienhäusern mit Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen, kleineren Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen sowie Reihenhäusern und Townhouses in unterschiedlichen Typologien. Im Mittelpunkt der Planung steht ein hoher Anspruch an Nachhaltigkeit und Lebensqualität. Das Quartier soll von großzügigen Grünflächen und einem naturnahen Quartierspark geprägt sein, der sich weit in das Wohngebiet hineinzieht und auch den Wunstorfer Bürgern als Erholungsraum offenstehen soll. Das autoarm konzipierte Quartier soll überwiegend fossilfrei betrieben werden. Vorgesehen sind unter anderem Wärmepumpen sowie Photovoltaikanlagen auf Dächern und teilweise an Lärmschutzwänden. Zudem wird eine Anbindung an ein Nahwärmenetz geprüft.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung einer lebendigen Nachbarschaft. Geplant ist unter anderem der Bau einer Kindertagesstätte, um das Quartier besonders für Familien attraktiv zu machen. Als zentraler Treffpunkt soll ein Quartiersplatz entstehen, der zugleich die Verbindung zur bestehenden Oststadt bildet. Hier könnten eine Bäckerei mit Café sowie weitere gastronomische Angebote angesiedelt werden.
Begleitet wird der Neustart von einer grundlegenden Neuaufstellung auf gesellschaftsrechtlicher Ebene. Das Projekt wird künftig von neuen Eigentümern geführt. Nach Angaben der Verantwortlichen bestehen keinerlei Verbindungen mehr zum insolventen DEGAG-Konzern. Für die operative Umsetzung wurde erneut Herr Hiss, Geschäftsführer der Deutschen Siedlungsbau GmbH, als Geschäftsführer für das Projekt berufen. Die bisherigen Verhandlungen zwischen Stadt und Investor gestalteten sich schwierig, vor allem die Ausgestaltung des Lärmschutzes geriet dabei zum großen Zankapfel. Zwischenzeitlich legte die Verwaltung die Verhandlungen sogar auf Eis und widmete sich anderen Projekten. Ende 2024 beschloss der Rat zudem eine Veränderungssperre, die einerseits die begonnenen Planungen absicherte, andererseits aber auch dazu verpflichtete, diese zu einem Abschluss zu bringen. Im Sommer 2025 präsentierte die Verwaltung schließlich überarbeitete Entwürfe. Auf dieser Grundlage wurden die Gespräche mit dem Eigentümer wieder aufgenommen.
Auch die Politik reagiert positiv auf die neuen Pläne. Die CDU-Fraktion im Rat begrüßt den möglichen Fortgang auf dem Gelände. Fraktionsvorsitzende Christiane Schweer erklärte, man berate die vorgelegte Vorlage konstruktiv. CDU-Chef Martin Pavel zeigte sich zuversichtlich, dass nach den Beratungen in den Gremien nun zügig Fortschritte erzielt werden könnten. „Wenn dort endlich eine Entwicklung stattfindet, die dringend benötigten Wohnraum schafft, ist das gut für Wunstorf. Wir freuen uns, dass auf Arbeitsebene offenbar ein Kompromiss gefunden werden konnte. Wir hoffen, dass schnell die Bagger rollen werden“, so Pavel. Auch Wunstorfs Ortsbürgermeister Thomas Silbermann (SPD) begrüßt die Vorlage und sagt, dass mit dem vorliegenden Entwurf die bestehenden Probleme gelöst worden seien. „Alle haben ein großes Interesse daran, dass es hier weitergeht”, sagt er. Insbesondere der geplante Riegelbau, der einen Beitrag zum Lärmschutz leiste, sei gut gelungen. Silbermann hofft, dass in dem Quartier, wie angedacht, auch ein Kindergarten und eine Einkaufsmöglichkeit realisiert werden können.
Die aktuelle Planung soll am 15. April im Ortsrat Wunstorf öffentlich beraten werden. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses. Der Investor will zudem an der öffentlichen Beratung im Bauausschuss am 23. April persönlich teilnehmen.